Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XXI. Jahrgang.1902

Page: 39
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BERGBAHNEN DER SCHWEIZ BIS 1900.

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Die als Fortsetzung der Seilbahn Territet-Glion gebaute Zahnradbahn auf die Kochers
de Naye ergibt nach unserer Tabelle auf Seite 88 ungefähr eine gleich grosse Verzinsung
des Anlagekapitals wie die Wengernalpbahn. Erstere, seit einigen Jahren fast das ganze
Jahr und billig betriebene Bahn am Genfersee hatte im Eröffnungsjahre 1893 und im
Jahre 1899 die höchsten und nahe zu gleich hohe Einnahmen. Es wurden im Jahre 1899
mit 6 Locomotiven 49761 Personen befördert, 3883 Züge und 20695 Zugskilometer aus-
geführt, wobei die Einnahmen fr. 198475 und die Ausgaben fr. 78124 erreichten.
Die Gornergratbahn beförderte in der ersten vollständigen Betriebssaison 1899 34000
Reisende und nahm im Ganzen bei fr. 100720 Betriebsausgaben fr. 270538 ein. Mit den
drei elektrischen Fahrzeugen wurden 1118 Züge und 10744 Zugskilometer ausgeführt.
Für allgemeine Verwaltung wurden fr. 25636, für Unterhalt und Aufsicht der Bahn
fr. 17388, für Expeditions- und Zugsdienst fr. 14557, für Fahrdienst fr. 25249 und für
Verschiedenes fr. 17950 ausgegeben. Die in eine Höhenlage von 3100 m führende Gorner-
gratbahn ergibt bei ihren schwierigen Verhältnissen einen anfänglichen befriedigenden
Ertrag der wohl mit der Eröffnung der Zufahrtslinien im Wallis eine beträchtliche Steigerung
erfahren wird. Zur Zeit ist die Zufahrt zu diesem grossartigsten Hochgebirgs-Diorama
noch unbequem und abseits und Zermatt bietet noch nicht was die übrigen Fremden-
zentren. Es hat auch nur geringen Passantenverkehr und als Hochsaison wenig mehr als
den Monat August.
Die so viel besprochene, in gemächlichem Tempo marschirende Jungfraubahn hat
bereits wie ‘ nicht anders zu erwarten war, auf ihrer 2 km langen Strecke Scheidegg-
Eigergletscher ungefähr dieselbe hohe kilometrische Einnahme von etwa fr. 30000 wie die
Wengernalpbahn, jedoch mit relativ viel geringeren Betriebskosten, indem sie auf gleich
starker Steigung und gleich hohem Zugsgewicht bei grösserer Fahrgeschwindigkeit fast
die zweifache Personenzahl zu befördern vermag. Dass nach Erschliessung weiterer
Zwischenstationen mit den besonderen, fast jedermann unbekannten, neuen Naturreizen ein
starker Verkehr nicht ausbleiben wird, kann als sicher angenommen werden, denn Eindrücke,
wie sie der Tourist von der Station Eismeer (um nur einen Namen zu nennen) mitnehmen
wird, werden unvergesslich sein. Es ist nur zu wünschen, dass diese Bahn, deren Bau-
schwierigkeiten im Allgemeinen weit überschätzt -werden, nicht so langsam weiter, oder
gar nicht [-zu Ende geführt wird. Andernfalls wäre es zu bedauern, dass Verfasser mit
seinem im Jahre 1892 konzedirten Projekt auf den Eiger, der bekanntlich als Aussichtsort
der Jungfrau mindestens gleich kommt und das im Ganzen nicht so viel kosten würde,
als die Jungfraubahn jetzt schon ausgegeben hat, zu Gunsten des grandiosem Projektes
zurückgetreten ist.
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