Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XXI. Jahrgang.1902

Seite: 40
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IY.

Die ScMenenschweissung nach praktischen Ausführungen.
Von Ober-Ingenieur K. Beyer in Essen.
Mit 5 Abbildungen im Texte.
Die Absicht bei dem Betrieb fortlaufender Gestänge oder Leitungen die Unter-
brechungsstellen möglichst zu reduciren, um Gefahrquellen zu vermeiden, ist so alt wie
die Leitungen selbst; wir brauchen nur an Kabel, Geleise und Rohrleitungen zu denken.
Sie tritt am prägnantesten hervor, wo der Betrieb, wie bei einem Eisenbahngeleise sich
auf der Oberfläche der Leitung hewegt und auf die Verbindungsstelle als ganz direct
schlagende und verschleissende Last sich äussert. Das Bestreben der soliden Verbindung
eines Schienenstranges ist demnach zu sehr in der Natur der Sache begründet, um die
Thatsache Schienen an ihrer Unterbrechungsstelle, dem sogenannten Stoss, zu schweissen
statt zu verlaschen als eine Errungenschaft der neuesten Zeit der Eisenbahntechnik
betrachten zu wollen. In der That ist die Idee der Schienensclnveissung bereits im
Jahre 1861 auf der Great-Northern-Bahn in England, wenn auch nur probeweise und in
kleinem Maassstab versucht worden. Der allgemeineren Einführung standen damals, (heut-
zutage theilweise überwundene) Bedenken, insofern es sich um Ausdehnungen der Schienen
durch Temperatur handelt, entgegen; noch weniger überwundene, was den Preis einer
Schweissung anbetriflt. Auf letzteren ist an anderer Stelle dieser Abhandlung näher ein-
gegangen. Die berührte im Jahre 1861 ausgeführte ScMenenschweissung, welche mit der
Hand und über Schmiedefeuer erfolgte, ist heute durch andere für die freie Strecke
offenbar geeignetere Verfahren ersetzt, die eine bessere Concentration der zum Schweissen
nöthigen Wärme zulassen. Einerseits ist dies das elektrische, andrerseits das Verfahren zur
Erzeugung hoher Temperaturen durch Verbrennung von Aluminium nach Dr. Gold-
schmidt. Ein drittes Verfahren ist das sogenannte Ealk’sche, welches durch Umgiessen
des Stosses mit Gusseisen eine theilweise Verschweissung erzielt, unleugbar grosse Vor-
theile besitzt und vielfache Anwendung besonders bei Strassenbahnen gefunden hat.
Die Möglichkeit der Schweissung einer Schiene hängt ab: Von ihren physikalischen
Eigenschaften, von ihrer chemischen Zusammensetzung und von ihrer Profilform; sie
interessirt deswegen den Eisenhüttenmann, den Chemiker und den Oberhautechniker in
gleichem Maasse, während die Bemessung des Werthes der Schweissung allein dem
letzteren zustehen dürfte, welcher die nöthigen Festigkeitsproben anzustellen hat und im
Betriebe die Schweissung prüfen muss. Hiernach empfiehlt es sich, der Entwickelung der
Schienenprofile zunächst einige Aufmerksamkeit zu schenken!
Formen der Schienenprofile.
Die rein theoretische Behandlung dieser i’rage giebt uns zunächst für den Schienen-
querschnitt die Form eines I- oder lemniskatenähnlichen Trägers, der bei entsprechender
Berechnung geeignet ist, eine ruhende Ijast von der Grösse der Radlast mit genügender
Sicherheit zu stützen, der aber auf die Art, wie die Radlast und mit welcher Schnelligkeit
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