Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XXI. Jahrgang.1902

Seite: 167
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DIE EISENBAHN GESETZGEBUNG U. NICHT TECHN. EISENBAHNLITERATUR ETC. 167

derselbe unmittelbar hinter dem Dampfbahnzug die Bahn rechts vorwärts auf kurze Ent-
fernung nicht mehr übersehen konnte, so durfte er eben nicht so hart an den Bahnzug
heranrücken; und war es ihm unmöglich, auf solche Nähe im Fahren einen freien Ausblick
zu gewinnen, so hätte er vorsichtiger Weise schon vorher ab'steigen können, um sich zu
überzeugen, ob die Balm frei sei. Der Verunglückte war ohne Zweifel mit den örtlichen
Verhältnissen bekannt, wusste insbesondere, dass auf dem rechtsseitigen Gleise der Betrieb
der Fferdebahn stattfand, und es ist daher keine unberechtigte Zumuthung, wenn von dem
Gericht unterstellt wurde, derselbe hätte mit der Möglichkeit rechnen sollen, dass im
fraglichen Augenblick ihm ein Pferdebahnwagen begegnen würde, dies selbst dann, falls
ein Läuten der Pferdebahn unterblieben ist ohne nicht vernehmbar war. Die Gefährlichkeit
eines Ueberschreitens der Bahngeleise an einer derartigen Stelle und unter solchen
Umständen muss aber nach den Anforderungen des Verkehrs, insbesondere auch auf Seiten
des Radfahrers, im Auge behalten werden und zur Anwendung der nöthigen Vorsicht
veranlassen. — Anlangend sodann die Ursächlichkeit eines eigenen Verschuldens des
Verunglückten, so hat das Berufungsgericht verneint, dass ein mitwirkendes Verschulden
des Trambalmkutschers vorliege. Allerdings ist nicht positiv festgestellt, dass dieser
seinerseits die ihm obliegenden Sicherungsmafsregeln beobachtet, dass er vorschriftsmässig
gebremst, geläutet habe und in langsamer Gangart an der Dampfbahn vorbeigefahren sei.
Aber andererseits ist der Nachweis dafür, dass ihm die Verabsäumung der einen oder der
andern dieser Obliegenheiten zur Last falle und dass ein derartiges, von dem Betriebs-
unternehmer zu vertretendes Verschulden als wesentliche Ursache mitgewirkt habe, seitens
der Klägerin nicht erbracht. Für den als möglich unterstellten Fall, dass der Kutscher
etwas zu schnell gefahren sei, wird dieser Umstand von dem Berufungsgericht nicht als
ursächlich für den Fall erachtet. Die in letzter Richtung gegebene Begründung, dass die
Ursache des schlimmen Ausganges ein Scheuen des Pferdes, welchem das Fahrrad des
Verunglückten zwischen die Hinterbeine gerieth, gewesen sei, und dass derselbe Ausgang
auch bei langsamen Fahren der Pferdebahn eingetreten wäre, beruht auf einer, der dies-
seitigen Nachprüfung nicht unterstehenden Würdigung der thatsächlichen Verhältnisse.

XIV.
Die Eisenbahngesetzgebung und nicht technische Eisenhahnliteratur
des Jahres 1901.
Zusammengestellt von W. Coermann, Amtsrichter i. Mülhausen.
Seit einer Reihe von Jahren füllt die Liste der Eisenbahnen, auf welche das Inter-
nationale Uebereinkommen über den Eisenbahnfrachtverkehr Anwendung findet, fast regel-
mässig eine der ersten Nummern des Reichsgesetzblattes. Die am 11. März in Nr. 8
herausgegebenen VII. Liste weist bei den deutschen Bahnlinien eine Zunahme um die
folgenden auf: Möckmühl—Dörzbach, Neuendorf—Gerlobryk, Rinteln—Stadthagen, Ruhlaer
Eisenbahn, Stralsund—Trübsen, Teutoburger Waldbahn, Vonvohl—Emmerthal. Im Laufe
des Jahres traten dazu: die Brohlthalbahn, Miesloch— Meckesheim, Reinickendorf—
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