Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — Dritter Jahrgang.1884

Seite: 16
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ÜBER DEN HUFBESCHLAG DER PFERDE.

III.
Ueber den Hufbeschlag der Pferde.
Von Corpsrossarzt Dr. Born in Berlin.
(Fortsetzung’ u. Schluss.) •
Die allgemeinen Eigenschaften, welche die Hufeisen besitzen sollen, haben wir bereits
in kurzen Umrissen kennen gelernt. Die Verhütung des Gleitens der Pferde auf Asphalt,
glattem Pflaster oder bei Winterglätte gehört zu den wesentlichen Erfordernissen der Eisen,
dies umsomehr als der öffentliche Betrieb von der Erfüllung dieses Umstandes fast aus-
schliesslich abhängt. ,
Die untere (Boden-) Fläche des Hufeisens zeigt zu dem angeführten Zwecke
1. Stollen, Griffe, Abdachung, Falz.
2. Man füllt den zwischen dem Hufeisen befindlichen Kaum mit einer das über-
mässige Gleiten hindernden Vorrichtung aus, oder versieht
3. die untere Huffläche mit hervorragenden Stellen.
Bezüglich des Punktes ad 1. lehrt uns die Erfahrung, dass die Pferde mit planen
Eisen ganz gefahrlos oder doch ebenso sicher gehen, als mit solchen, welche Stollen auf-
weisen. Die Pferde der Tramways in London, die in Berlin und die der hiesigen Omnibus-
gesellschaft, welcher letzteren wohl Niemand seine Anerkennung versagen kann, sowie
andere Institute, die mit Pferden arbeiten, beweisen diesen Satz für den, dem die Frage
von Neuem discussionsfähig erscheinen sollte, in überzeugendsterWeise. Andern normalen
Hufe findet sich auch ein Aequivalent für Stollen nicht vor, und daher muss einleuchten,
dass die Pferde, ihrer Bewegung in der Freiheit entsprechend, sicherer auf einem ebenen
Tragerande des Eisens laufen als auf einem solchen mit einem Haken. Der letztere drückt
ausserdem nicht selten die Weichtheile des Hufes, und kann die hemmende Wirkung
durchaus nicht ausüben, wenn die Stollen nur eine entsprechende Höhe besitzen. Ganz
besonders möchte hierbei aber zu betonen sein, wie man sicli bei den Stollen häufig auch
der falschen Vorstellung hingiebt, dass sie die ihnen vom Schmiede gegebene Länge m. o. w.
beibehalten, während sie sich doch relativ schnell abnutzen und längere Zeit vor der Ab-
nutzung des Eisens als solche wenig oder nicht mehr functioniren. Wenn die Pferde aut
bestollten Hufeisen in der ersten Zeit, wie man von den Kutschern hören kann, stolperten
und nicht so frei traten als kurze Zeit nach dem Neuboschlage, so ist das zum Theil dem
Umstande zuzuschreiben, dass sich die Eisen der glatten Fläche näherten, auf der die
Pferde nunmehr ungenirter fassten als auf einem relativ geringe Theile des Hufeisens.
Diese Auseinandersetzung bezieht sich nur auf Pferde mit gesunden, vorderen Glied-
maassen. Hervorheben kann man hierbei gleich die ausgezeichnete Unterstützung durch
Stollen bei Pferden, welche an bestimmten Zuständen der Gelenke und Sehnen der Hinter-
und Vorderbeine leiden und welche darauf hinauslaufen, Verkürzungen (z. B. bei Spat
und bei Contracturen der Beugesehnen an der hinteren Fläche der Schienbeine) auszugleichen,
oder beziehungsweise dazu dienen, die durch Zerrungen bedingten Schmerzen zu be-
seitigen. In der Kegel ist der Hufbeschlag bei dergleichen chronischen und meistens
unheilbaren Leiden auf die Verkürzung der Zehentheile der Hufe und auf die Schonung
der Trachten angewiesen. Die Eisen versieht man je nach dem Grade des vorliegenden
Falles mit hohen Stollen oder mit verdickten Sckenkelenden. Ein relativ bedeutender
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