Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — Dritter Jahrgang.1884

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DIE LOCALDAHN VON ALTONA NACH KALTENKIRCHEN.

der Hornwand auf die letztere übertragen. Hierdurch entstehen Bewegungen im Hufe,
welche Aenderungen in der Form desselben bedingen und auf diese Weise, so minimal sie
auch sein mögen, für die Brechung des Stosses und andere Verhältnisse von grosser Be-
deutung sind. Noch wichtiger gestaltet sich die durch die Huf beinsenkung bewirkte Ver-
schiebung der Hornwand. Eine einfache Ueherlegung ergiebt, dass sowohl die Grösse als
auch die Art und AVeise der Dislocation wesentlich von der Form der Hufe abhängt. An
den Hinderhufen ist die Bewegung der Fersentheile und der Sohle beim gewöhnlichen
Schritt schon deshalb nicht so ergiebig als bei den Vorderhufen, weil die auffallende Last
eine ungleich geringere ist, ausserdem aber auch die anatomische Einrichtung derselben
eine gleich starke Ausdehnung nicht zulässt.
Zu dem Verständnis der durch die Einwirkung der abwechselnden Belastung und
Entlastung entstehenden Aenderungen in der Form der Hufe, welche in der Thierheilkunde
schon heftige Controversen hervorgerufen haben, gehört eine genaue Kenntniss der anato-
mischen Einrichtung des Hufes. Für uns genügt es, auf den (im gewöhnlichen Leben
sehr unterschätzten) Werth hinzuweisen, dass der Hufmechanismus den Huf mit den von
demselben eingeschlossenen Gebilden vor der nachtheiligen Einwirkung von Erschütte-
rungen schützt, — ein Haupterforderniss für die Bewegung des Blutes und somit für die
Ernährungsverhältnisse der in Frage kommenden Theile bildet. Der Hufbeschlag hat
desshalb dafür Sorge zu tragen, dass der Mechanismus des Hufes möglichst ungeschwächt
erhalten bleibe.
Berlin, December 1883.

1Y.
Die Localhalm von Altona nach Kaltenkirchen.
Von W. Hostmann.
Mit einer lithographirten Tafel, I.
I. Allgemeines.
Der gewaltige Einfluss, den der Bau des modernen Verkehrsmittels unseres Jahr-
hunderts, der Eisenbahnen, auf das gesammte wirthschaftliche Leben aller Culturvölker
ausgeübt hat, äusserte sich in sehr vielen Gegenden dadurch, dass Industrie, Handel und
Verkehr zurückgingen, ja oft sogar durch einen förmlichen Nothstand, der in Gegenden
eintrat, in denen vor der Herstellung der Eisenbahnen blühende Industrien und grosser
Wohlstand geherrscht hatten.
Die natürliche Ursache dieser Erscheinung liegt darin, dass Industrie, Handel und
Verkehr sich immer mehr und mehr in der Nähe der Eisenbahnlinien entwickelten und
concentrirten, so dass diejenigen Gegenden, welche entfernter von den neuen Verkehrsadern
lagen, in denen aber sonst alle Vorbedingungen zum Gedeihen gewisser Industrien in
besonders hohem Grade vorhanden waren, deshalb nicht mehr prosperiren konnten, weil
sie mit den, in Mitten des grossen Verkehrs gelegenen, Gegenden nicht mehr concurriren
konnten. Diese Erscheinung resp. die Erforschung ihrer Ursachen führte bekanntlich mit
zu der Idee der „Secundärbahnen“, d. h. „billigeren Bahnen“, oder, wie sie neuerdings
sehr richtig genannt werden, „Nebenbahnen“, deren Nothwendigkeit und Zweckmässig-
keit wohl von Niemanden mehr bestritten wird.
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