Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — Dritter Jahrgang.1884

Page: 34
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TRAMBAHNEN IN SPANIEN.

durch diese Allee wurde ich recht lebhaft an die Pferdebahnlinie von Bremen nach dem
Horn erinnert, die ebenfalls eine schöne mit Bäumen eingesäumte Landstrasse benutzt,
deren Linien aber ebenso sorglos wie die Pferdebahnlinien in Yalencia construirt sind.
Die Valencia-Grao-Pferdebahn ist durchgehend doppeltgeleisig und benutzt fast ausschliess-
lich den sogenannten Sommerweg heben der Landstrasse als ihren Bahnkörper. Trotzdem
wird diese Bahn nur durch animalische Kraft betrieben und es ist mir unerklärlich ge-
wesen, warum man bei Erbauung derselben nicht den Locomotivbetrieb in Aussicht
genommen hat, da derselbe bei der Lage dieser Bahn auf dem Sommerwege, einer
breiten Landstrasse, nicht die geringsten Unzuträglichkeiten bereiten würde. Curven
kommen bei dieser Bahn von 30 m Minimal-Radius vor und zwei kurze 4 ü/0 Steigungen
von ca. 35m Länge. Der Oberbau besteht aus schlechten eisernen Loubat-Schienen,
die auf Holz-Langschwellen lagern und ist ein Umbau der Bahn sehr nothwondig.
Die Wagen mit Imperial fassen innen 16, auf den Plattformen 10 und auf dem Deck
22 Personen. Sie stammen aus der Starbuck-Eabrik in Birkenhead. Eigenthümerin der
Bahn, die 1450 mm Spurweite hat, ist eine Barcelonaer Gesellschaft und unterliegt es
keinem Zweifel, dass dieselbe ganz vorzüglich günstige Einnahmen erzielt.
An diesen Vorort-Tramway schliesst sich eine derselben Gesellschaft gehörige Pferde-
bahn an, welche dem Verkehre innerhalb der Stadt Valencia dient. Dieselbe hat
dieselbe Spurweite und denselben Oberbau wie der anschliesseilde Tramway und eine Länge
von ca. 5 km. Bei den vielen engen Strassen, die diese Strassenbahn durchzieht, musste
man dieselbe meist eingeleisig herstellen und dabei Curven bis zu 12 m Minimal-Radius
anwenden. Innerhalb von Valencia werden nur geschlossene Winterwagen benutzt, die von
der Starbuck-Fabrik in Birkenhead gebaut sind und innen 16 resp. 18 Sitzplätze haben
und auf den Plattformen Platz für 10 Personen bieten. Diese beiden Valencianer Pferde-
bahnen rentiren recht gut, würden aber eine doppelt so gute Verzinsung gewähren, wenn
man seiner Zeit den Oberbau derselben nach einem guten System hergestellt hätte — jetzt
fressen die vielen Unterhaltungskosten der Geleise einen guten Theil der Betriebs-Ein-
nahmen. Hingegen hat sich die betreffende Tramway - Gesellschaft nicht gescheut, die
Ställe, Wagenremisen, Director- und Beamten-Wohnungen in sehr solider, ja mehr als noth-
wendig eleganter Weise herzustellen. Hätte man das „Zu Viel“, das man an die Her-
stellung der Hochbauten wandte, zu einer besseren Construction des Oberbaues benutzt, so
würden die Inhaber der Bahn jetzt höhere Dividenden einstreichen können.
Durch Freunde veranlasst, die per Dampfer nach Cartagena zu reisen beabsichtigen,
vertrauen wir uns den Wogen des Mittelmeeres an, indem wir den französischen Steamer
„Ville de Cette“ Abends 8 Uhr im Hafen von „Grao“ besteigen, der uns sanft wiegend
am andern Morgen 6 Uhr nach Alicante bringt. Da der Dampfer den ganzen Tag zum
Ausladen und Einladen der Frachtgüter gebraucht, so gehen wir an Land, um die Strassen-
verkehrsverhältnisse Alicantes kennen zu lernen. Einen Tramway linden wir in dieser
reinlich unterhaltenen, dicht am Meere gelegenen Stadt nicht vor, wohl werden aber viele
Projecte von den Alicantinern aufgestellt, um die Wohlthaten dieses modernen Verkehrs-
mittels zu gemessen, wir zweifeln aber, dass ein Tramway in dieser Stadt rentiren würde,
da der Strassenverkehr nicht sehr bedeutend ist, und wird es deshalb wohl noch einige
Zeit dauern, ehe die Strassen von Alicante die Pferdebahngeleise in sich aufnehmen.
Wir haben den Tag recht angenehm in dem hübschen Alicante verbracht und es
wird Zeit, dass wir an Bord der „Ville de Cette“ gehen. Gegen 9 Uhr Abends verlässt
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