Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — Dritter Jahrgang.1884

Page: 88
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/Zb-2423-3-1884/0096
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
88

DIP: BETRIEBSMITTEL DER LOCALBAHNEN.

XII.
Die Betriebsmittel der Localbahnen.
Von Director P. Langbein in Würzburg.
[Mit 10 Figuren im Text.]
(Schluss.)*)
Unterscheiden sich schon die Motoren der Localbahnen von denen der Haupt- und
Nebenbahnen wesentlich durch Gewicht, Mannigfaltigkeit der Gestalt und Construction, so
gilt dies noch vielmehr von den übrigen Fahrzeugen, da diese, mit Rücksicht auf ihre
Verwendung, vielseitig und verschiedenartig gestaltet sein müssen, um ihrem jedesmaligen
Zweck möglichst vollkommen zu genügen.
Es kann deshalb auch nicht in unserer Absicht liegen, allgemeine Normen aufzu-
stellen oder gar Detailconstructionen zu geben, sondern wir werden uns darauf beschränken,
in möglichst engem .Rahmen, diejenigen allgemeinen Gesichtspunkte zu entwickeln, welche
für die Construction der Personen- und Güterwagen der Localbahnen maassgebend sein
müssen.
In Folge der grossen Verschiedenartigkeit der Wagen wird es nicht möglich, der-
artige allgemeine Grundsätze und Constructionsprincipien festzustellen, wie dies bei den
Haupt- und Nebenbahnen der Fall ist, im Gegentheil wären liier beschränkende „Vereins-
bestimmungen“ geradezu fehlerhaft; es muss vielmehr das Bestreben dahin gerichtet sein,
unter der Voraussetzung absoluter Betriebssicherheit und Tragfähigkeit, möglichst gar
keine „Gesetze“ für die Construction der Wagen aufzustellen, ebensowenig wie für die
Construction der Droschken und anderer Fahrzeuge, da in den meisten Fällen der Loco-
motivführer seine Maschine sicherer beherrscht, als der Kutscher die Pferde.
Der Wagenconstructeur hat also, neben vielen anderen Rücksichten, die von Fall zu
Fall zur Geltung gelangen, sein Hauptaugenmerk darauf zu richten, dass die Vorth eile der
Eigenartigkeit des Secundärbahnbetriebes — wie Fortfallen des Rangirens auf den Bahn-
höfen, langsamere Fahrgeschwindigkeit, einfachste Verbindung der Wagen zu Zügen, Art
der Ladung, kleine Curven und starke Steigungen etc. — in entsprechender Weise bei Be-
stimmung der Wagendimensionen, der Constructionsstärken und ihrer Verbindungen Beach-
tung linden, sodass die Hauptvortheile der Localbahnen gegenüber den Vollbahnen, das
günstige Verhältniss der Nutzlast zur todten Last und leichte Beweglichkeit der Wagen,
möglichst zur Geltung gelangen.
Leichtigkeit und leichte Beweglichkeit der Wagen sind deshalb für Localbahnen um
so wichtiger, als bekanntlich die Maschinen meist sehr leicht sind (selten schwerer als
22,5 Tonnen oder pro Rad 3,75 Tonnen), ausserdem oft starke Steigungen neben kleinen
Krümmungen Vorkommen.
*) Leider war es Herrn Richard Koch nicht mehr möglich, in Folge seiner neuen Thätigkeit
in Belgrad, den Schluss dieses Aufsatzes fertig zu stellen und hatte Herr Langbein, Director der
NoelPschen Waggonfabrik in Würzburg, die Freundlichkeit denselben zu übernehmen. — Mit diesem
Aufsatz schliessen wir die Abhandlungen über „Betriebsmittel der Localbahnen“ ah und werden nunmehr
fortlaufend interessante Beispiele ausgeführter, im Betriebe befindlicher Maschinen und Wagon, nebst
Angabe der nothwendigsten Verhältnisse u. s. w. bringen. Die Redaction.
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list