Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — Dritter Jahrgang.1884

Seite: 124
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DIE STRASSENBAHNEN IN DEN STÄDTEN.

XV.
Die Strassenbalmen in den Städten.
Von Jos. Fisclier-Dick.
U ebersicli t.
A. Deutschland.
Auch im Jahre 1883 ist eine namhafte Vergrösserung der Strasseneisenbahnen Deutsch-
lands zu verzeichnen. Das Bestreben, diese Zunahme derart darzustellen, dass nicht nur
die Kilometerzahl, der Umfang der Betriebsmittel, die beförderten Personen, das Anlage-
capital etc., sondern auch die Einnahmen, Ausgaben, kurz, die Rentabilität der verschie-
denen Stadtstrassenbahnen zu vergleichen und zu übersehen möglich ist, hat die unten
folgende Tabelle entstehen lassen, deren Lückenhaftigkeit leider zeigt, dass das Bedenken,
einer ganzen Reihe von Strasseneisenbahn-Gesellschaften die Resultate der Betriebsjahre
1882 und 1883 einem grösseren Kreise von Fachleuten und Interessenten bekannt zu geben,
auch durch wiederholte recht dringliche Bitten der Redaction nicht zu überwinden war.
Die Directionen der Strassenbahn-Gesellschaften in Cassel, Braunschweig, Flensburg,
Kiel, Karlsruhe; Rostock, Schwerin, Bremerhafen, Halle a. d. S., Hannover haben leider
nicht für gut befunden, uns die erbetenen Angaben zu machen.
Erfreulicherweise ermöglichte jedoch das Entgegenkommen einer, grossen Anzahl von
Strassenbahn-Directionen die Lücken nur in der Minorität zur Erscheinung zu bringen, so
dass ein annähernd richtiges Bild der Strassenbalmvqrhältnisse, wie solche sich im Jahre
1883 gestalteten, recht wohl aus den gegebenen Zahlen zur Kenntniss gebracht werden
dürfte. Wir verfehlen nicht den Directionen hier unseren besten Dank für die gegebenen
Daten auszusprechen, hoffen auch, dass mit den Jahren alle Bedenken und mit ihnen alle
Lücken verschwinden werden.
Die Städte Erfurt und Crefeld erhielten erst 1883 Strasseneisenbahneu. Diesen Neu-
bauten von 29,7 km stehen circa 49,4 km Erweiterungsbauten vorhandener Strassenbahnen
in den Städten Aachen, Berlin, Breslau, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Hamburg,
Leipzig, München, Strassburg zur Seite, so dass sich die Gesammt-Geleiselänge im Jahre
1883 um 79,1 km vermehrt hat. Die Gesammtmasse der beförderten Personen darf auf
circa 170000000 geschätzt werden, eine Zahl, die zur Genüge die Wichtigkeit und Leis-
tungsfähigkeit der Strassenbahnen für den Verkehr der Städte klar legt. In Berlin sind
allein 70554800 Personen befördert worden. Eine verhältnissmässig sehr glänzende Leistung
hat die Hamburg-Altonaer Pferdebahn zu verzeichnen; hei 11,1km Geleislänge sind mit
302 Pferden 5535000 Personen gefahren worden; die Frequenz dieser einen Linie iiber-
trifft daher noch die auf dem Gesammtnetze der grossen Stadt Breslau.
In 48 Städten werden von 43 Gesellschaften Strasseneisenbahnen in einer Länge von
903,3 km Geleisen mit circa 8100 Pferden und 09 Lokomotiven betrieben. Die Anzahl
der Wagen dürfte auf 2125 Stück zu schätzen sein.
Die Gesamint-Anlagekosten sind rund mit 100 Millionen Reichsmark zu beziffern.
Die Rentabilität der Strassenbahnen kann als im Steigen begriffen bezeichnet werden.
Es ist thatsächlich erwiesen, dass auch für kleinere Städte mit geringer Frequenz bei
reeller Finanzirung der Bahn, billigen Baubedingungen und guter Betriebsdisposition sehr
wohl Strassenbalmanlagen gewinnbringend betrieben werden -können. Diese Erfahrung er-
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