Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — Dritter Jahrgang.1884

Page: 141
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EIN WORT ZUR ABWEHR.

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Wien etc., besser halten, als in engen Strassen, weil die Geleise in einem Fall wenig, im
andern Fall lilinfiger durch das öffentliche Fuhrwerk befahren werden; wenn dem nicht so
wäre, so wäre es ja eine den Actionären gegenüber nicht zu rechtfertigende Ausgabe,
welche verschiedene Gesellschaften für gebrannte Klinker und Holzbeilagen gemacht haben,
um dem Anpflaster Halt zu geben.
Also auch diese Beläge für die Güte des Pflaster-Anschlusses besagen nichts Anderes,
als dass die Steine an den Schienen, da wo kein starker Verkehr stattfindet, nicht ver-
sacken; damit ist aber nicht gesagt, dass dem auch so sei, wo starker Verkehr vor-
handen ist.
Was nun den ferneren Nachtheil des Haar mann'sehen Oberbaues betrifft, der
meinerseits angeführt ist, also die unsymetrische Belastung, so kann ich mittheilen, dass
ich hierüber aus Dortmund höchst interessante bestätigende Nachrichten erhalten habe.
In meiner letzten Abhandlung habe ich über die schlechte Bodenbeschaffenheit in
Dortmund Mittheilung gemacht, die zum Theil Anlass zu dem Fiasco des Itimbach'scheu
Oberbausystems daselbst gegeben hat. Man hatte dort auch eine Strecke mit Haar-
mann'schein System verlegt, die mit Maschinen befahren wurde. Die unsymetrische
Belastung äusserte sich hier nun derart, dass
die Schiene a, die befahren wurde, sich senkte,
die ungleich belastete Schiene b hingegen relativ
höher stehen blieb. (Fig. 21.) Die Folge war,
dass die gusseisernen Stege, welche die Schienen
in Entfernungen von 60 cm gegenseitig verbinden,
zerbrachen. Der angeführte Nachtheil der ein-
seitigen Belastung ist somit auch erwiesen, wozu
es dieses Vorkommnisses in Dortmund nicht ein-
mal bedurft hätte. Man sage nicht, dass die
Gussknaggen zu schwach gewesen sind; die un-
symmetrische Belastung bleibt doch. Soll Haar-
mann'scher Oberbau mit Vortheil verwendet werden, so gehe man dazu über, Bäder mit
Mittelflantsch zu nehmen, wie dieses schon von mir mehrfach früher, und zuletzt in Band
II. Heft 3 dieser Zeitschrift vorgeschlagen worden ist. Man erreicht dadurch, dass das
Kad, welches den Schienenstoss nie gleichzeitig passirt, die Wagenlast am Stoss auf die
volle Nebenschiene überträgt und somit die schwache Stelle des Geleises entlastet. Ferner
nehme man Beilagen für den Pilaster-Anschluss und lasse die Stösse mit guten, kräftigen
Laschen event. längeren Stossstegen versehen, die dem Seitendruck pjg. 22.
genügend widerstehen und achte beim Bau auf ein äusserst sorg-
fältiges Verlegen, Ausflastern und Abrammen des Geleises. (Fig.
22 u. 23.)
Durch derartige Räder mit Mittelflantsch würde noch der fernere
Vortheil erreicht, dass die Abnutzung der schmalen Schieneuköpfe
sich verringert, da die Nebenschiene in Mitbenutzung gezogen wird;
es findet dann auch eine symmetrische Belastung des Oberbaues statt.
Diesen Vortheil können sich selbstredend Bahnen nur verschaffen,
bei denen mindestens die ganze Länge einer Linie mit System Haar-
mann oder Fischer-Dick verlegt ist, da der sonst über die
Zwangschiene vorstehende Radflantsch leicht auf dem Pflaster läuft.
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