Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — Dritter Jahrgang.1884

Page: 143
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/Zb-2423-3-1884/0154
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
DIE TRAMWAYS IN DEN NIEDERLANDEN.

143

Director blos durch Ernennung. Solche, welche von Eisenhahnen und Tramways nur eine
oberflächliche Kenntniss haben und unerwartet an die Spitze eines solchen Unternehmens
berufen werden, müssen nothwendig zunächst Lehrgeld zahlen. Das ist der natürliche
Lauf der Dinge. Der Berufene kann aber viel dazu beitragen, dass dieses Lehrgeld mög-
lichst gering werde. Schon die Verhandlungen zur Erlangung der Concession müssen mit
Geschick geleitet werden, manche Unternehmung krümmt sich unter den Lasten, welche
die Ungeschicklichkeit des Concessionssuchenden ihr aufgeladen hat. AVer an der Spitze
steht muss eifrig das Fach studiren. Erbemühe sich dann, einen fähigen und ehrlichen
(diese letzte Eigenschaft ja nicht zu vergessen) AVerkmeister zu bekommen, er sorge ferner
für ein kleines, gut besoldetes Personal und achte bei den Ausgaben darauf, dass die
Einnahmen mühsam mit Groschen und Pfennige zusammengebracht werden müssen. Vor
Allem, man halte sich bei der Sache. Das Auge des Meisters thut Vieles.
Eine Tramway-Gesellschaft ist naturgemäss viel mehr der Kritik ausgesetzt wie die
. Eisenbahnen. Der Eisenbahnzug bewegt sich auf einer abgesperrten und bewachten Bahn,
die Tramways dagegen auf den öffentlichen Strassen. Die Bedingungen der Concession,
das Gesetz und die Vorschrift bezüglich der Transportmittel und die provinziellen und
Gemeinde-Verordnungen müssen genau gekannt sein, damit man sich immer Kechenschaft
geben kann über die Rechten und Pflichten des Unternehmens. AVenn der Director, auch
wenn er kein Dilettant ist, gegründeten Klagen Vorbeugen will, dann muss er oder sein
Stellvertreter viel auf der Strecke sein, um sich sowohl von dem Zustande des AATeges,
des Geleises, der Motoren und des Materials als auch von der Behandlung des Publikums
durch das Personal zu überzeugen.
Saubere AVagen und höfliches Personal werden nicht wenig zur Arermehmng der
Einnahmen beitragen. Mit Befriedigung dürfen wir darauf himveisen, dass die AVagen in
den Niederlanden in mancher Hinsicht besser sind als diejenigen, welche man in einigen
Städten des Auslandes sieht, wie im Allgemeinen auch die Höflichkeit der Schaffner
gelobt wird.
Tarife. Der Director hat insbesondere auf die Regelung der Transportpreise zu
achten. In den Concessions-Bedingungen ist vielfach ein Maximum angegeben, das ge-
wöhnlich zu hoch ist. AVie viel man darunter bleiben muss, um einerseits das Publikum
nicht abzuschrecken und andererseits noch eine lohnende Fracht zu bekommen, ist genau
zu untersuchen. Für die Tramways in den Städten ist ziemlich allgemein 10 Cents (17 Pf.)
pro Fahrt als Basis angenommen. Das Publikum fand diesen Preis an sich nicht zu
Hoch, aber es wurden doch Stimmen laut, welche eine Reduction für den Fall verlangten,
dass man nicht den ganzen AVeg, sondern nur einen Theil desselben zurücklegen wolle.
Dieser AVunsch war der Ursprung des Sectionssystems. Die Linien wurden iu Sectionen
abgetheilt und für jede Section ein geringerer Preis, z. B. 5 Cents, erhoben.
Es ist nicht zu läugnen, dass das Sectionssystein viel zur Förderung des Tramverkehrs
beigetragen hat.
Der kleine Mann und der Arbeiter werden sich wohl zweimal bedenken, bevor sie
den AVagen besteigen, um nach Hause oder zur Arbeit zu kommen, wenn derselbe ilm
nicht in nächster Nähe bringt, wo er sein muss. AVird aber der Preis auf die Hälfte
zurückgebracht, dann denkt man leichter darüber. Der Verkehr hat aber auf den meisten
Unternehmungen, welche das Sectionssystem eingeführt haben, nicht derart zugenommen,
dass die Einnahmen bedeutend gesteigert sind. Es bleibt immer eine ganz von Umständen
abhängige Frage, ob für Eisenbahnen, Tramways, Post, Telegraph u. s. w. es besser ist,
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list