Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — Dritter Jahrgang.1884

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DIE KESSELDRÜCKE BEI STRASSENLOCOMOTIVEN.

XXI.
Die Kesseldrücke bei Strassenlocomotiven.
Von Pr. Giesecke.
Die höchsten im Locomotivbetriebe vorkommenden Kesseldrücke findet man bei den
Strassenlocomotiven, und zwar erscheint dieses gerechtfertigt nicht allein ans Gründen der
Oekonomie, sondern auch desshalb, weil die Kessel vermöge ihrer Kleinheit nicht in ihrer
Wassermenge, sondern in ihrem Wärmevorrath das Reservoir für plötzliche Inanspruch-
nahmen der Locomotiven bilden müssen.
Betrachten wir zunächst die Forderung des hohen Druckes aus Gründen der Oeko-
nomie, so finden wir, dass, je meto die physikalischen Eigenschaften des Dampfes erkannt
wurden, die Kesseldrücke im Allgemeinen eine bedeutende Steigerung erfuhren, denn,
abgesehen von mechanisch vollkommeneren Constructionen der Dampfmaschinen, ist nur
durch die verständigere Ausnutzung der physikalischen Eigenschaften des Wasserdampfes
eine wesentliche Erhöhung des Nutzeffektes der Dampfmaschine zn erreichen. Am deut-
lichsten wird dieses durch das Streben nach Einführung der Compound-, ja selbst der
Dreicylinder-Expansions-Maschine illustrirt.
Wie uns die mechanische Wärmetheorie lehrt, machen wir von der auf dem Kessel-
rost aufgewendeten Wärme bei einem Druck von 5 Atm. ca. 7 °/0 in der Dampfmaschine
wieder nutzbar, bei Anwendung eines Kesseldrucks von 15 Atm. jedoch ca. 14 °/0.
Begründet ist dieses Steigen des Nutzeffektes um 100 °/0 bei einer Steigerung der
Dampfspannung von 5 auf 15 Atm. lediglich in der Relation zwischen den messbaren
Anfangs- und Endwärmen des arbeitenden Dampfes.
Während bei 5 Atm. der Dampf eine messbare Temperatur von 152° hat, aber
ca. 652 W. E. darin stecken, hat der Dampf von 15 Atm. eine messbare Temperatur von
ca. 2020 und es stecken ca. nur 672 W. E. darin. In beiden Fällen hat der Abdampf
noch eine messbare Temperatur von ca. 105°, also sind nutzbar gemacht im ersten Falle
ca. 47 0 und im zweiten ca. 97 °, während aufgeweudet wurden zur Erzielung des Arbeits-
dampfes 652 resp. 672 W. E.
Dieses entspricht einem Nutzeffekt
47
bei 5 Atm. Kesseldruck von rot. 7 ^
97
bei 15 Atm. Kesseldruck von r°t- 14 %
wie oben angegeben.
Zur Erzielung dieses höheren Effektes waren aber nur mehr aufzuwenden ca. 20 W. E.
pro kg Wasser oder nur ca. 3 °/0 mehr Kohle, um den um 100 °/0 gesteigerten Nutzeffekt
zu erzielen.
Wenn nun auch in der Wirklichkeit beide Grenzen sich zu Ungunsten der Anwen-
dung des höheren Druckes verschieben, so bleibt der Vortheil doch immerhin ein solch’
auffälliger, dass die Oekonomie der hochgespannten Dämpfe gegenüber den gewöhnlichen
Dampfspannungen reichlich erwiesen ist.
Ferner kommen bei Strassenlocomotiven oftmals plötzliche Inanspruchnahmen vor,
die Maschinen müssen auf kürzere Strecken grosse Leistungen entwickeln, so dass bei
niederen als den heute üblichen Drücken sehr grosse Kessel erforderlich würden, um den
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