Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — Dritter Jahrgang.1884

Page: 169
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ZUR STATISTIK DER BETRIEBSUNFÄLLE DER LOCALBAHNEN.

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in dieser Eigenschaft gelangter Schreiben offizieller und offiziöser Art, durch welche von
massgebenden Stellen die Betheiligten eindringlichst zur Selbstprüfung aufgefordert wurden,
ob sie mit ihrem Gewissen verträglich hielten, aus Erwerbs-Interessen die unabsehbare
Verantwortung für die grossen Verluste an Menschenleben zu übernehmen, welche durch
die bei dem Betriebe dos geplanten Unternehmens nicht vermeidbaren zahlreichen Unfälle
zu erwarten sein würden.
Mittlerweile hat die Erfahrung gelehrt, dass jene Befürchtungen übertrieben, die
erwarteten Gefahren aus den Eisenbahn-Unternehmungen überschätzt waren, und im Gegen-
tlieil — Dank der gründlichen Unfallsstatistik der Eisenbahnen — zur Feststellung ge-
führt, dass im Vergleich zu weiteren Transportunternehmungen — selbstredend unter Zu-
grundelegen der Massen von beförderten Personen und der Nutzkilometer-Ziffer — der
Eisenbahnbetrieb eher weniger als mehr Opfer an Leben und Gesundheit erfordert, obschon
allerdings der einzelne Unfall von grösserer Ausdehnung sein kann.
Mit einem ähnlichen auf Ueberschätzung der Gefahrenziffer beruhenden, allerdings
nicht ganz so grossen Vorurtheile der Behörden haben jetzt die Local- und Strassen-
bahn-Unternehmer zu kämpfen. Ohne dasselbe würde das Strassenbahnnetz mancher
Orte weit mehr ausgebreitet und dem Verkehrsbedürfnisse günstiger gestaltet sein. Ueber-
schätzung der Gefahrengrösse hat indess 'nicht selten dahin geführt, ganze Orte oder Tlieile
wegen ihrer angeblich zu engen Strassen zur Aufnahme von Strassenbahnen für unge-
eignet zu erklären und so die Verkehrserleichterung durch die Strassenbahnen ihnen ab-
zuschneiden.
In Verfolg inzwischen gewonnener Erfahrungen haben die behördlichen Anschauungen
mittlerweile schon eine Aendernng erfahren und sind die gehegten Befürchtungen abge-
schwächt worden. Man Lat im Zeitenverlaufe Geleis-Anlagen in Strassenzügen genehmigt,
wo solche vorher für gemeingefährlich gehalten waren. Aus diesem Gesichtspunkte und
da die Strassenbahnen erst in der Entwickelung begriffen sind, scheint das Vorgehen
der Grossen Berliner Pferde - Eisenbahn - Actien - Gesellschaft als gemeinnützig dankbar
begrüsst und der Nachahmung empfohlen werden zu sollen, durch eine sorgfältige
Statistik der Betriebs - Unfälle die Gefahrenschätzung auf das richtige Maass zurück-
zuführen.
Hat ja doch das Keichs-Oberhandelsgericht lediglich aus dem Gesichtspunkte die
Pferdebahnen den haftpflichtigen Eisenbahnen aus dem lt.-G. vom 7. Juni 1871 beigezählt,
weil die Betriebsgofahren für die Strassenpassanten eher grössere seien, als diejenigen aus
dem auf einer abgeschlossenen Bahnfläche sich bewegenden Eisenbahnen; eine Anschauung, die
Seitens des Reichsgerichts übernommen ist und Seitens der meisten Landgerichte getheilt
wird. Vielleicht bewirkt eine gründliche Unfallsstatistik auch in dieser Rechtsanschauung
eine Wandelung.
Die Erhebungen beginnen mit dem Januar 1882, erstrecken sich gegenwärtig also
auf 2V2 Jahre. Man beobachtet das VerliältnisV zwischen Erwachsenen und Kindern und
bei den ersteren dies innerhalb der beiden Geschlechter. Ihr Ergebniss während dieses
Zeitraumes ist in nachstehender Tabelle zusammengestellt.
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