Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — Dritter Jahrgang.1884

Seite: 173
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DER LANGBEIN'SCHE TRANSPORTEUR.

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Von W. Hostmann.

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(Mit 4 Figuren im Text.)

Eins der wichtigsten Argumente gegen die Herstellung von Schmalspurbahnen in der
Ebene bestellt bekanntlich darin, dass die Massengüter umgeladen werden müssen und
wird dies Argument auch zur Genüge von den Gegnern der Schmalspurbahnen ins Feld
geführt, wenn es sich um die Anlage derartiger Bahnen in ebenem Terrain handelt.
Als ein glücklicher Gedanke war es deshalb zu begrüssen, dass die Schweize-
rische Locoinoti vfabri k in Winterthur eine Construction herstellte, mittelst
welcher man im Stande war, die Hauptbahnwagen auf schmalspurigen Geleisen zu traus-
portiren und dieselben so direct an resp. in die Fabriken hineinzubringen.
Ist das „Umläden der Güter“ ein Nachtheil, welcher den Schmalspurbahnen an-
haftet, so ist die Anwendbarkeit kleiner Curvenradien, bis zu 15 Meter herab, ein Vortheil,
der vielfach ausschlaggebend ist, da bei derartig kleinen Radien die Benutzung bestehender
Wege möglich und es bei industriellen Anlagen sehr, häufig von grösster Wichtigkeit ist,
das Ent- und Umladen der Waggons direct innerhalb des Fabrik-Etablisse-
ments vornehmen zu können, was hei normalspurigeu Bahnen, in Folge des ge-
ringsten zulässigen Curvenradius von 150 Meter, meistens nicht zu erreichen ist.
Zuerst wurde diese Construction, welche unter den Namen „Transporteur“,
„Truck“ oder „Rollbok“ bekannt ist, bei den Rappoltweiler Strassenbahnen ausge-
führt, die nur 1 Meter Spurweite haben; dann folgte die Anwendung hei dem Zuider
Stoomtramweg in den Niederlanden *) und zuletzt hei der kleinen Bahn von Wülfel nach
der Wollwäscherei in Döhren bei Hannover.
Auf letzter Bahn, die ebenfalls 1 Meter Spurweite hat, wurden in* diesem Jahre
durchschnittlich pro Monat ca. 200 Hauptbahnwagen transportirt. Wenn weitere Anwen-
dungen noch nicht erfolgt sind, so liegt der Grund darin, dass diese nützliche Construction
noch nicht genügend bekannt geworden ist, denn zweifellos wird die Verwendung von
„Transporteuren“ nicht allein mit Erfolg für viele industrielle Etablissements möglich sein,
sondern es wird diese Construction auch belebend auf die Anlage von Schmalspurbahnen
in der Ebene wirken.
Der bisherige „Transporteur“, den die Schweizerische Locomotivfabrik in Winterthur
anfertigte und der im Wesentlichen aus zwei Paar Achsen mit Rädern von kleinem Durch-
messer und einem darauf befindlichen Trägergerippe, auf das die Hauptbahnwagen geschoben
werden, besteht, hat zwar verschiedene Nachahmungen und auch geringfügige Verbesse-
rungen gefunden, ist aber im Grossen und Ganzen derselbe geblieben; ein derartiger „Trans-
porteur“ hat ein Gewicht von ca. 3000 Kilogr. und kostete bislang 2500 bis 3000 Mark.
Erst in neuester Zeit hat der Director Langbein in Würzburg (Noe 11’sehe
Waggonfabrik) sich eine Construction patentiren lassen, D. R.-P. No. 26240, die prin-
cipiell von den bisherigen dadurch unterschieden ist, dass das ganze Trägergerippe fortfällt,
so dass das Gewicht und damit auch der Preis ein erheblich geringerer werden; die Con-
struction wiegt ca. 1100 Kilogr. und kostet ca. 1600 bis 1800 Mark. Da nun jeder

') Siehe Heft II Jahrgang 1883 dieser Zeitschrift.

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