Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — Dritter Jahrgang.1884

Seite: 177
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ETWAS UBER DIE CONSTKtfCTIONSBEDINGUNGEN DER STRASSENLOCOMOTIVEN. 177

XXV.
Etwas über die Constructionsbedingungen der Strassen-Locomotiven.
Von P. Giesecke.
In letzterer Zeit sind die Bestrebungen nach Einführung der s. g. Local- und Neben-
bahnen, d. h. solcher Bahnen, welche ihr Geleise hauptsächlich im allgemeinen Strassen-
körper haben, und die im Wesentlichen befreit sind von dem Schabionismus der „Eisen-
bahnen“ von Erfolg begleitet gewesen. Nachdem einmal der Damm gebrochen, wird auch
hier, wie es bekanntlich mit derartigen Entwicklungen zu gehen pflegt, von der Zukunft
ein weiteres Inslebentreten dieses noch jungen Verkehrsmittels zu hoffen sein.
Da nun für derartige Bahnen erste Lebensbedingung ist, dass dieselben bis in das
Herz der zu verbindenden Städte oder Ortschaften geführt werden, so müssen auch die
Betriebsmittel geeignet sein, Anforderungen zu entsprechen, welche der Strassenverkehr
hauptsächlich in verkehrsreichen Städten specifisch verlangt. Hauptsächlich kommt hier
die Locomotive in Betracht, denn sie ist es, an welche die spiessbürgerlichen Ansichten
noch so oft Anstoss nehmen. Eine Locomotive im Innern der Stadt, auf unseren Strassen!
Dieses ist ein Gedanke, der Manchem ein gelindes Grausen verursacht, und für Mailichen
noch heute in den Bereich des nicht dauernd Möglichen verwiesen wird.
Oftmals unzweckmässige, weil nicht genügend practisch durchprobirte Locomotiv-
systeme tragen hieran vielleicht einen Theil der Schuld mit, weil für dieselben wohl eine
Versuchszeit aber nie, selbst bei gutem Willen der Betheiligten, ein Definitivum ge-
schaffen würde.
Für manchen Leser dieser Zeitschrift ist es daher aus den angeführten Gründen viel-
leicht nicht ganz unwichtig, etwas über Grundbedingungen und über die wesentlichsten
Forderungen, welche an eine Locomotive für den Strassenverkehr gestellt werden
müssen, zu hören. Einschlägige Literatur über diesen Gegenstand besteht bis heute
meines Wissens nach nur in einigen Aufsätzen, welche in Fachschriften zerstreut sind, und
zuweilen nicht Mal den Stempel der Zuverlässigkeit tragen. Ein im Uebrigen sehr be-
merkenswerther Artikel „Ueber die Construction, Leistungen und Betriebs-Verhältnisse der
Sekundärhahn-Locomotive“ hat Herrn v. Borries zum Verfasser und findet sich abge-
druckt in Glasers Annalen, Jahr 1880/81.
Die Strassenlocomotiven werden dort auf S. 479, Jahrg. 1881, eingehender besprochen.
Wenn hier auch Manches aufgestellt wird, was für Strassenlocomotiven nicht zu-
treffend ist, so ist es doch anzuerkennen, dass der Herr Verfasser dieses Locomotivsystem
nicht in den bekannten Rahmen hineinpresst oder als unwesentlich bei Seite lässt, sondern
hinsichtlich Leistung und Anforderungen ganz bestimmte Bedingungen aufstellt.
Allgemeine Bedingungen.
Aus dem früher Gesagten, dass nämlich die Locomotive der Nebenbahn stets in das
Innere der Stadt oder durch die Stadt zu fahren haben wird, dürfte hervorgehen, dass
ganz bestimmte Eigenschaften beiden Locomotiven eigen sein müssen, und dahin gehört
zuerst und vor Allem die genügende Condensations-Verrichtung. Ohne diese ist nach
meinem Dafürhalten und meinen practischen Erfahrungen ein Locomotivbetrieb im Innern
einer Stadt durchaus undurchführbar. Es ist absolut nicht allein das Geräusch des Dampf-
stosses durch den Schornstein, oder die Möglichkeit des Auswurfs von Staub und Asche
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