Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — IV. Jahrgang.1885

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I.

Allgemeine Uebersicht.
Von W. Hostmann.
Im Laufe des Jahres 1884 wurden nicht allein einige Localbahnen im engeren
Sinne dem Betriebe übergeben, sondern es mehrten sich auch sonst die Anzeichen dafür,
dass die Bedeutung derartiger Bahnen in immer weiteren Kreisen anerkannt wird.
Allem Anschein nach erkennt man auch in den betheiligten Kreisen immer mehr den
Vortheil der schmalen Spurweite für die eigentlichen Localbahnen an, was um so erfreu-
licher ist, als eine wirklich gedeihliche Entwicklung unseres Localbahnwesens nur mittelst
umfangreicherer Herstellung von Schmalspurbahnen möglich ist.
In den ßeichslaiulen wurde ein Theil der Kaysersberger Thalbahn, einer schmal-
spurigen Strassenbalin für Personen- und Güterverkehr, unter Beteiligung der höchsten
Staatsbehörden in feierlichster Weise eröffnet.
Wenn hier an des Reiches am meisten bedrohter Westgrenze die
Herstellung von Schmalspurbahnen nicht allein für zulässig, sondern
sogar für zweckmässig erachtet wird, so steht zu hoffen, dass endlich
docli auch in desKeichesMitte die immer noch vorhandenen mancherlei
Bedenken gegen Schmalspurbahnen nach und nach schwinden werden.
ln Preussen sind es zunächst die Zahnradbahn nach dem Niederwalddenkmal und die
Altona-Kaltenkirchener Bahn, welche als eigentliche Localbahnen genannt werden müssen;
beide Bahnen wurden im Laufe des Jahres dem Betriebe übergeben. Unter den neu
concessionirten Bahnen verdient besonders die Schmalspurbahn von Flensburg-Glücksburg
nach St. Kappeln (Pr. Schleswig-Holstein) Beachtung um so mehr, da diese Bahn wesentlich
auf Kosten der Interessenten hergestellt wird.
Eine Reihe weiterer Localbahnen ist in der Concessionirung begriffen und finden
besonders neuerdings auch die transportablen Bahnen gebührende Beachtung.
In Bayern hält man noch an der normalen Spurweite fest (Hammelburg-Gemünden)
und sucht durch Einlegung enger Curven (bis zu 150 Meter Rad.) die Baukosten zu ver-
mindern, wie dies in ähnlicher Weise in Preussen ja auch geschieht.
Eigentliche Localbahnen im Sinne unserer Zeitschrift können diese Bahnen nicht ge-
nannt werden, da sie zu sehr nach der Schablone der Hauptbahnen hergestellt sind.
In Württemberg ist jnit der Betriebseröfl'nung der Zahnradbahn von Stuttgart nach
Degerloch der Anfang zum Bau von Localbahnen gemacht und steht zu hoffen, dass die
Fortsetzung dieser 1 Meter Bahn recht bald erfolgen werde.
In Sachsen befinden sich nunmehr über 100 Kilometer Schmalspurbahnen im Be-
triebe, sowie eine weitere Anzahl im Bau und müssen die bisherigen Resultate dieser Local-
bahnen als sehr befriedigend bezeichnet werden.
In den Thüringischen Staaten sind wohl noch einige Projecte zu Schmalspurbahnen
vorhanden und werden auch weiter verfolgt; im Allgemeinen aber neigen die maassgebenden
Zeitschrift f. Local- u. Strassenhahnen. 1885. i
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