Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — IV. Jahrgang.1885

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dem in Thüringen die schmale Spurweite durch das schwierige Terrain oft geradezu vor-
geschrieben erscheint.
In Oesterreich geht es mit dem Bau localer Bahnen recht langsam voran, nur auf
dem Gebiete der Dampftramway’s ist mehr Thätigkeit zu verzeichnen, wenn auch neue
Linien im Jahre 1884 keine eröffnet wurden.
Die Niederlande haben nunmehr ein Netz von ca. 450 Kilometern Dampftramway’s im
Betriebe und weitere Linien im Bau, trotzdem die financieüen Resultate der meisten Linien
keineswegs bis jetzt den gehofften Erwartungen entsprechen.
Dass man diese billigen Bahnen aber doch für zweckmässig hält, beweisst die ver-
hältnissmässig grosse Anzahl neuer Concessionen, die ertheilt sind.'
Auch in Italien schreitet der Bau von Localhahnen rüstig vorwärts.
In den letztgenannten beiden Ländern sind während weniger Jahre mehr wie 2000
Kilometer derartiger, ausschliesslich localen Zwecken dienender, Bahnen horgestellt, während
in ganz Deutschland im gleichen Zeitraum kaum so viel hunderte von Kilometern erbaut sind.
Bezüglich der Motoren für Localbalmen ist auch während des Jahres 1884 die
Dampfkraft nirgends in entscheidender Weise verdrängt worden.
Wohl befinden sich kurze Versuchslinien mit electrischen Motoren oder mittelst der
Honigmann’schen Natronmaschine im Betriebe, aber Resultate, welche von irgend einer Ent-
scheidung wären, sind noch nirgends erzielt.
Auf dem Gebiete des Oberbaues werden hier und dort mehr oder minder unerheb-
liche Verbesserungen vorgeschlagen, doch sind Erfindungen oder Constructionen von Be-
deutung im Laufe des Jahres 1884 nicht hervorgetreten. Es kann nur als eine immer
mehr hervortretende Thatsache hingestellt werden, dass dort, wo es sich um Betrieb mit
Pferden handelt, der Stahloberbau immer mehr zur Geltung gelangt, während dort, wo es
‘ sich um Betrieb mittelst Locomotiven, also um grössere Radbelastung handelt, die Vignole-
schienenform durch eine andere Form noch nicht verdrängt ist. Im Uebrigen gehen die
Ansichten über Form und Zweckmässigkeit der einzelnen Oberbau-Systeme nach wie vor sein-
weit auseinander.
Hannover, im Februar 1885.

II.
Die Financirung der preussischen Localbahnen.
Von Dr. W. Schäfer in Hannover.
Während dem preussischen Abgeordnetenhause gegenwärtig wiederum ein Gesetzent-
wurf vorliegt, in welchem die Mittel zu umfangreichen Bauten neuer Secundärbahnen oder
Bahnen zweiter Ordnung verlangt werden, verlautet noch immer nichts von einer staatlichen
Unterstützung der Bahnen dritter Ordnung, der Local- oder Strassenbahnen. Wenn man
an diese erst herangehen will, sobald alle nothwendigen Secundärbahnlinien in Preussen
ausgebaut sind, dann dürfte viel kostbare Zeit versäumt werden, aber unseres Erachtens
könnte recht wohl das Eine geschehen, ohne dass das Andere unterbliebe. Wir haben in
früheren Aufsätzen in dieser Zeitschrift nachgewiesen, dass das Staatsbahnsystem in Preussen

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