Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — IV. Jahrgang.1885

Page: 149
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/Zb-2423-4-1885/0163
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
BEMERKUNGEN ÜBER ABSCHREIBUNGEN BEI PFERDE-EISENBAHNEN.

149

nachzuweisen vermocht, dass der Unfall auf das schuldhafte Verhalten einer dritten Person
zurückzuführen sei, für welches Beklagte an sich oder wegen des zwischen ihr und dem
Kläger bestandenen Dienstverhältnisses einzustehen habe.
Aus der Bestimmung im § 1 des Reichshaftpflichtgesetzes von 7. Juni 1871 betr.
die Verbindlichkeit zum Schadensersätze etc. würde nach dem Zwecke und der Entstehungs-
geschichte des Gesetzes eine Haftung der Beklagten als Unternehmerin der Pferdeeisen-
bahn zu Dresden für den dem Kläger am 5. October 1882 zugestossenen Unfall jedoch
nur dann herzuleiten gewesen sein, wenn dieser Unfall mit denjenigen Gefahren im un-
mittelbaren oder mittelbaren Zusammenhänge gestanden hätte, welche dem Eisenbahn-
betriebe nach seinen Mitteln, Anlagen und Einrichtungen im Verhältnisse zu anderen
Verkehrs- und Transportbetrieben eigenthümlich sind. (Entscli. des Reichsgerichts Bd. I
S. 52, 253; II 8, 85; III 20; VI 38; VII 43.) Ein solcher Zusammenhang war jedoch
jedenfalls nach der Darstellung, welche Kläger in dem Rechtsstreite gegeben hatte, und
als thatsächliche Unterlage für die Beurtheilung seiner Ansprüche gegen sich gelten lassen
musste, nicht zu erkennen gewesen. Es sind im Wesentlichen dieselben Grundsätze, welche
zu der S. 04 des vorigen Jahrganges berichteten Entscheidung geführt hatten und führen
mussten, obschon derselben ein völlig verschiedener Sachverhalt zu Grunde gelegen hatte.

XXVI.
Bemerkungen zu den Grundsätzen, nach welchen die Abschreibungen
bei Pferde-Eisenbahnen zu erfolgen haben.*)
Eines der wichtigsten Erfordernisse bei Aufstellung der Bilanzen industrieller Actien-
Gesellschaften ist die Bestimmung der Höhe, in welcher die Abschreibungen vorzunehmen
sind, umsomehr, als das Gesetz Vorschriften hierüber nur im Allgemeinen machen kann,
im Speciellen es aber den Gesellschafts-Vorständen überlassen muss, dieselben nach bestem
Wissen unter ihrer eigenen Verantwortung vorzunehmen. Besonders das Gesetz vom
11. Juni 1880 liess den leitenden Vorständen hierin einen weiten Spielraum, indem es
bestimmte, dass bei Aufnahme der Inventarien und Werthsachen in die Bilanz die sänimt-
lichen Vermögensstücke und Forderungen nach dem Werthe anzusetzen waren, welcher
ihnen zur Zeit der Aufnahme beizulegen wrar. Den hieraus sich ergebenden Unzuträglich-
keiteu vorzubeugen, bestimmt nunmehr das Actien-Gesetz vom 18. Juni 1884 in einer
Reihe materieller Vorschriften, dass:
1. Werthpapiere und Waaren, welche einen Börsen- oder Marktpreis haben,
höchstens zu dem Börsen- oder Marktpreise zur Zeit der Bilanz-Aufstellung,
sofern dieser jedoch den Anschaftüngs- oder Herstellungspreis übersteigt, höch-
stens zu Letzterem angesetzt werden dürfen;
2. dass andere Vermögensgegenstände höchstens zu dem Anschaffungs- oder Her-
stellungspreise angesetzt, und
3. dass Anlagen und sonstige Gegenstände, welche nicht zur Weiterveräusserung,
vielmehr dauernd zum Geschäftsbetriebe bestimmt sind, ohne Rücksicht auf
*) Vorstehender Aufsatz ist der Rcdaction mit der Bitte um Veröffentlichung von sehr schätzens-
werther Seite zugegangen.
Zeitschrift f. Local- u. Strassenbahnen. 1885.


20
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list