Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — VIII. Jahrgang.1889

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DARF DIE MITWIRKUNG DER GEMEINDE-VERWALTUNGEN etc.

Fürsorge geplant lind durch Rücklage von Geldbeträgen vorbereitet.1) Bisher ist indess
nirgends der Plan einer derarten Fürsorge verwirklicht worden. Man greift indess fehl,
die Nichtausführung einer Engherzigkeit der Verwaltung oder der Betriebs-Gesellschaften
zuzuschreiben, wie dies allerdings vielfach in der Tagespresse geschehen ist. Vielmehr
sind die Gründe tiefer zu suchen. Sie wurzeln überwiegend in der verlmltnissmässig nur
kurzen Dauer, auf welche die Strassenbenutzung genehmigt zu werden pflegt, in Verbindung
mit der Ungewissheit, was nach deren Ablauf damit geschehen wird und ob nicht vielleicht
wegen Wegfalls der Benutzungsgenehmigung der Zweck des Unternehmens erfüllt sein und
deshalb die Auflösung der Gesellschaft nothwendig werden würde. Insofern indess aus der
fehlenden Fürsorge gemeinüblich den Verwaltungen ein Vorwurf gemacht, dieselbe nament-
lich zur Begründung der Nothwendigkeit herangezogen wird, das Strassenbahngewerbe in
das Bereich der Gemeindewirthschaft zu ziehen und für den Privatbetrieb zu verschliessen,
erscheint es allerdings zeitgemäss, diejenigen Schwierigkeiten vorurtheilsfrei zu beleuchten,
welche die geplante Fürsorge bisher nicht haben verwirklichen lassen.
Dass umsichtigen Verwaltungen ausserordentlich viel an einer solchen gelegen sein
muss, liegt auf der Hand. Denn sie müssen bestrebt sein, ein durch längeren Dienst
bewährtes Personal sich zu verschaffen und zu erhalten, weil bekanntlich Strassenbahuen
den haftpflichtigen Betrieben zugerechnet werden, deshalb für die durch deren Betrieb
verursachten Verluste an Leben und Gesundheit einzustehen ist und erfahrungsgemäss der
Gefahrengrad in gleichem Verhältnisse abnimmt, in welchem die Zuverlässigkeit der Mann-
schaft steigt. Die für die wirthschaftlichen Verluste verantwortlichen Unternehmer thun
deshalb besser, solange mit Aufwendungen zum Erlangen einer geschulten Mannschaft nicht
zu sparen, als solche ziffermässig mit der muthmaasslichen Schadenshöhe, welche ein unzu-
verlässiges Personal zu schaffeu im Stande ist, einigermaassen im Verhältnis bleiben. Inso-
fern nun erfahrungsgemäss die Alters- und Hinterbliebenen-Fürsorge sich als ein wirksames
Mittel bewährt hat, ein pflichttreues und gewissenhaftes Beamtenpersonal im unmittel-
baren oder mittelbaren Staatsdienste bei verhältnismässig beschränktem Diensteinkommen
zu erhalten, musste naturgemäss vorsorglichen Verwaltungen der Gedanke kommen, durch
eine Nachahmung derarter Einrichtungen ihrem Unternehmen eine gleiche Ausdauer der
Bediensteten zu verschaffen: Dass solches bisher nicht gelingen wollte, beklagen die Ver-
waltungen vielleicht tiefer als jeder Andere. Und Niemand würde denjenigen, welche die
Nothwendigkeit einer derartigen Fürsorge predigen, für sachgemässe Vorschläge und wirk-
same Unterstützung bei Beseitigen der entgegenstehenden Schwierigkeiten dankbarer sein,
als gerade die Vorstände der Strassenbalm-Verwaltungen selbst.
Die Hauptschwierigkeit bildet die verhältnissmässig kurze Dauer, für welche den
heutigen Unternehmern der Strassenbahnbetriob gesichert ist. Wird nämlich der Fortbe-
trieb ihnen unmöglich, indem Weitergenehmigung ausbleibt oder an unerfüllbare Bedin-
gungen geknüpft wird, so muss solches zur Einstellung ihres Betriebes führen. In diesem
Zeitpunkte wird indess erst ein verhältnissmässig geringer Bruchtheil des Personalbestandes
erwerbsunfähig geworden sein und deshalb der Fürsorge theilhaftig werden können, wäh-
rend für die verhältnissmässig grössere Mehrzahl die Voraussetzungen für die Fürsorge-
verbindlichkeit noch nicht gekommen, wenn vielleicht schon nahe sein mögen. Für alle
diese wird mithin die bisherige Pflichterfüllung nicht den Vortheil einer Altersfürsorge
zu Wege bringen, wenn man nicht etwa an den Betriebsunternehmer das unsinnige Ver-

i) Meine Haftpflicht: § 17 S. G3, Sonntagsruhe: S. 36. Verstadtlichung: § 13 b S. 38.
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