Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — VIII. Jahrgang.1889

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UMSCHAU AUF DEM GEBIETE DES BAUES UND BETRIEBES DER STRASSENBAHNEN. 15

V.
Umschau auf (lern Gebiete des Baues und Betriebes der Strassenbahuen
in den Städten.
Von Ober-Ingenieur Jos. Fischer-Dick in Berlin.
I)or stetig zunehmende Verkehr sowie die stetig zunehmende Ausdehnung der Städte
hat die kräftige Weiterentwickelung der Strassenbahnen, dieses modernen Verkehrsmittels
zu unmittelbarer Folge gehabt. So sind denn die älteren Strassenbahnnetze nirgends zum
Abschluss gekommen überall wird ausgebaut, neue Maschen dem alten Netze zugefügt oder
aber werden (wie z. 13. in Leipzig, Dresden, Frankfurt a. Main) umfangreiche Verkehrs-
linien geplant, die eventuell neben den vorhandenen älteren Bahnen selbständig betrieben
werden können.
In einer Reihe kleinerer Städte sind Strassenbahnenanlagen in den letzten Jahren
geplant oder bereits neu ausgeführt. Misserfolge sind nur ganz vereinzelt eingetreten, im
grossen Ganzen ist eine gesunde Entwickelung, ein kräftiges Gedeihen der Strassenbalm-
unternehmungen zu verzeichnen.
Die günstigen finanziellen Ergebnisse derselben haben an verschiedenen Orten die Auf-
merksamkeit der Magistrate der betr. Städte, speciell aber der Herren Stadtverordneten
erregt, welche die Zeit gekommen glaubten, der Idee einer Verstadtlichung der
Strassenbahnen näher zu treten.
In Frankfurt a. Main hat diese Idee greifbare Gestalt angenommen, es soll dort eine
Strassenbahnlinie von der Stadt erbaut und betrieben werden. Andere kleinere Städte,
welche bis jetzt noch kein Strassenbahnnetz besitzen, wollen ein solches selbst hersteilen
den Betrieb aber der Privatunternehmung überlassen, Bestrebungen, eine jede Verlängerung
der ertheilten Concessionen auch bei den günstigsten Anerbietungen seitens der Strassen-
bahngesellschaften, prinzipiell zu verweigern sind gleichfalls zu verzeichnen.
Die Strassenbahnliteratur ist mit dem Wachsen und Gedeihen der Unter-
nehmungen ebenfalls fortgeschritten. In verschiedenen Ländern erscheinen Zeitschriften,
welche sich speciell mit den Strassenbahnen beschäftigen, in Deutschland ist die Zahl
derselben im Jahre 88 wieder vermehrt worden. Die Rechtsfragen haben hier durch die
Gebrüder Hilse die eingehendste Bearbeitung gefunden. Dr. Carl Hilse hat in letzter
Zeit eiue Abhandlung über die Verstadtlichung der Strassenbahnen veröffentlicht, die auch
in den weitesten Kreisen der Interessenten volle Beachtung und Würdigung findet.
Der Entwickelung des Oberbaues wurde die grösste Aufmerksamkeit zugeweudet.
Mit Ausnahme von Frankreich haben wohl sämmtliche übrigen Länder die breitbasige
Stahlschiene als continuirlichen Träger verwendet, entweder die Spurrille wie bei der Phönix-
schiene in den Kopf einwalzend oder dieselbe durch eine zweite Leit- oder Schutzschiene
— wie bei der Haarmann-Zwillings- und Schwellenschiene — bildend Holz ist bei den
neueren Geleisearbeiten weder als Lang- noch als Querschwelle zur Verwendung gekommen.
Ha die zu verwendenden Oberbausysteme nunmehr' so ziemlich feststehen dürften, hat man
sich mit den einzelnen Theilen derselben eingehender beschäftigt, die Form und Grösse des
Schienenkopfes, die Lauffläche, Breite der Spurrille, Schutzschiene, Höhe der Schiene, Stärke
des Schienensteges, Breite der Schienenbasis sind in Erwägung gezogen worden.
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