Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — VIII. Jahrgang.1889

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UMSCHAU AUF HEM GEBIETE DES BAUES UNI) BETRIEBES DER STRASSENBAHNEN. ] 7

dieser Theil des Oberbaues zu schwach ausgebildet, so ist frühzeitige Abnutzung desselben,
welche die baldige Neuerung des betr. Schienenstrangs bedingt, die Folge. Breite, kräftig-
gehaltene Schutzschienen und -Rippen ermöglichen nicht nur die regelrechte Ausnützung
des Schienenmaterials, sie schützen auch den zunächst des Schienenstrangs liegenden Pflaster-
streifen. — Im Allgemeinen dürfte noch bemerkt werden, dass die Strasseneisenbabnschienen
nunmehr durchweg kräftig ausgobildet sind, dass der Nachtheil leichter Gestränge und
schwerer Motore, wie er bei dem Locomotivbahnbetriebe zu Tage getreten, hier also von
vornherein ausgeschlossen sein dürfte.
Die AVei dien und Kreuzungen erfreuen sich der aufmerksamsten Beachtung und
sind wohl überall verbessert und vervollkommnet worden. Die Zulassung der Strassenbahn-
geleise in Strassenzüge von geringer Breite und starkem Verkehr hat die Verwendung der
sogenannten Kreuzweichen, welche die beliebige Benützung der beiden Geleise ermöglichen,
gesteigert. Ferner ist die selbstthätige amerikanische Schnappweiche zu umfassender Ver-
wendung gelangt. Die Befürchtungen entstehender Unzuträglichkeiten, veranlasst durch das
Einlegen einer beweglichen Platte in die Dämme sehr frenquentirter Strassenzüge, sind durch
die practischen Erfahrungen als hier unzutreffend widerlegt worden. In den belebtesten
Strassen Berlins liegen z. Z. 20 solcher AVeichen und soll die Zahl derselben auf 50 ver-
mehrt werden. Dieselben bieten für das Schaffnerpersonal erhebliche Erleichterung; das
Auf- und Abspringen desselben behufs Einstellung der betr. Zungenweichen — welches bei
dem grossen Fuhrwerksverkehr oft mit Gefahr verbunden war — ist in AVeglall gekommen.
Sehr erfreulich ist das Entgegenkommen der maassgebenden Behörden bei Anlagen von
Strassenbahnen in belebten Strassenzügen, die auf eine kurze Strecke nur geringe Strassen-
dammbreiten aufweisen. Die Berechtigung desselben haben die vorliegenden Erfahrungen
glänzend bestätigt.
Der Umbau einer kurzen in dem engsten Theile der Spandauerstrasse in Berlin,
zunächst dem Rathhause gelegenen eingeleisigen Strecke in eine ztveigeleisige Anlage hat
hier den Beweis der Zulässigkeit derartiger Anlagen bestens erbracht.
Die Strasse ist hier bis auf 6,80m Dammbreite verengt, neben einem ungemein
starken Fuhrwerksverkehr bewegt sich ein sehr starker Pferdebahnverkehr. Es laufen in
jeder Richtung in eiuer Minute 75 Pferdebahnwagen ohne die geringsten Unzuträglichkeiten
hervorgerufen zu haben. Es ist durch die zweigeleisige Anlage, durch AAregfall wartender
AVagen, eine Verkehrserleichterung geschaffen worden. Kreuzweichen ermöglichen
in Ausnahmefällen z. B. bei Verkehrshindernissen auf einem oder dem andern der beiden
Geleise beliebigen eingeleisigen Betrieb.
Das Geleisepflaster ist durch die Herstellung geräuschloser Strassendamm-
befestigungen zeitweise für die Pferde und permanent für die Geleise- und Pflasterinstand-
haltung zu einer rechten Plage geworden. Schon das fundamentirte mit Pech oder Ce-
mentmasse ausgegossene Reihensteinpflaster erschwert und vertheuert die Geleiseunterhaltung,
das Asphalt- und das Holzpflaster verlangt aber schon für die Ausbesserung eines ein-
zigen Schienenstosses, die Auswechselung einer Schiene die Aufwendung namhafter
Kosten.
Asphaltirung und Holzpflasterung haben den Uebelstand gemeinsam, dass
die mit diesen Materialien befestigten Geleiseflächen schon bei eintretendem Regenwetter
schlüpfrig, bei Schnee und Frost aber zeitweise durch die Glätte fast unpassirbar für die
Pferde werden. Zu diesen Uebelständen tritt bei dem Asphalt hinzu, dass derselbe zur
Erzielung eines guten Anschlusses der Materialen das Einlegen von Steinschwellen seitlich
Zeitschrift f. Local- u. Strassenbahnen. 1889. o
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