Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — VIII. Jahrgang.1889

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DIE ENTWICKLUNG DEE LOCALBAHNEN IN DEUTSCHLAND.

VIII.

Die Entwicklung der Localb ahnen in Deutschland.

Von W. Hostmann.
Mit einer lithographirten Tafel I.

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Allgemeines.
Im Nachstehenden soll der Versuch gemacht werden in kurzen Zügen, ohne auf
technische Einzelheiten einzugehen, einen Ueberblick darüber zu geben, in welcher Weise
sich nach und nach der Bau von „Localbahnen“ in Deutschland entwickelt hat, welche
Verbreitung diese so nützlichen kleinen Bahnen bislang gefunden haben und ferner soll an
einzelnen Beispielen nachgewiesen werden, wie segensreich dieselben auf das wirtschaftliche
Gedeihen ganzer Gegenden einwirken.
Dabei sollen unter „Localbahnen“ solche Bahnen verstanden werden, die dem
öffentlichem Verkehre dienen, bei denen der Kegel nach ein Uebergang von Hauptbahn-
wagen nicht stattfindet und die dazu bestimmt sind, vorwiegend oder ausschliesslich
localen Verkehrsbedürfnissen Rechnung zu tragen.
Während bekanntlich in England und Frankreich die Bestrebungen, die Bau-
kosten der Eisenbahnen, welche in Folge der grossartigen Entwicklung des Verkehres,
besonders des Güterverkehres, immer höher wurden, herabzumindern bereits Anfangs der
Sechziger Jahre begannen, fand die erste öffentliche Anregung dazu in Deutschland 1808
in Hamburg in Folge eines Antrages statt, der auf der Tagesordnung der Versammlung
deutscher Architecten und Ingenieure stand.
Wenn bei dieser Gelegenheit, Seitens des damaligen Bauinspectors C. Köpcke-
Hannover (jetzt Geheimer Finanzrath in Dresden), auch schon darauf hingewiesen wurde,
dass für locale Verkehrszwecke die schmale Spurweite weit geeigneter
sei wie die normale, so hatte dies doch zunächst wenig Erfolg, weil kurz vorher in
einer Versammlung in Dresden die Techniker des Vereins deutscher Eisenbahn-Verwaltungen
beschlossen hatten, für die fernere Entwicklung der Localbahnen gleiche Spurweite
mit den Hauptbahnen zu verlangen.*)
Bei dem maassgebenden Einflüsse dieses Vereins auf das gesammte deutsche Verkehrs-
wesen war es erklärlich, dass die zu Anfang der Siebenziger Jahre erbauten „Secundär-
bahnen“ sämmtlich die normale Spurweite hatten.
Inzwischen wurde aber das Bedürfniss nach billigen Localbahnen immer grösser, so
dass auch die staatlichen Behörden sich diesem Drängen nicht mehr verschliessen konnten;
nachdem bereits in den 1876 vom Verein deutscher Eisenbahn-Verwaltungen herausge-
gebenen „Grundzügen für die Gestaltung der Secundär-Eisenbahnen“ auch
für Schmalspurbahnen von 0,75 und 1 m Spurweite gewisse gemeinsame Vorschriften
empfohlen wurden, erschien am 12 Juni 1878 die „Bahnordnung für deutsche
Eisenbahnen von untergeordneter Bedeutung“, welche bekanntlich Reichsgesetz
ist und in der auch für Bau und Betrieb der Schmalspurbahnen eine Reihe Vorschriften
erlassen wurden. Wenn man die Anfang der Sechziger Jahre zu industriellen Zwecken als

DvSiche auch W. Hostmann, Bau und Betrieb der Schmalspurbahnen u. s. w. Seite 4 u. folgende,
Wiesbaden 1881, J. F. Bergmann.
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