Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — VIII. Jahrgang.1889

Seite: 69
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Beispiele ausgeführter Betriebsmittel und interessanter
Einrichtungen für Localbahnen.
(Mit IG Figuren im Texte.)
Bewegliche It adge stelle.
In den engen bei Localbahnen vorkommenden Curven ist man zur sicheren Befahrung
derselben gezwungen, die Radstände der Fahrzeuge entweder sehr klein zu halten, oder
den Achsen die Möglichkeit zu gewähren sich nach dem Radius der Curve einstellen zu können.
Feste Achsen bei geringem Achsstand haben den Nachtheil, dass der Wagen bei
einseitiger Belastung einen sehr ungünstigen Stand einnimmt. Bei den immerhin nach
Möglichkeit gross zu wählenden und meistens mit Plattformen versehenen Wagen der Local-
bahneu drängen sich sehr häufig die Fahrgäste auf der hinteren Plattform und im hinteren
Theile des Wagens zusammen, dadurch wird die Vorderachse des Wagens vollständig ent-
lastet und die Möglichkeit des Entgleisens liegt dann sehr nahe.
Um unter allen Umständen eine bessere Vertheilung der Last bei 2achsigen Personen-
wagen zu erreichen, hat man die Achsen seitlich verschiebbar angeordnet und konnte in
Folge dessen zu grösseren Achsständen übergehen ohne das Befahren enger Curven gar zu
schwierig zu machen.
Bei richtiger Anordnung seitlich verschiebbarer Achsen, kann man Curven von 20 m
Radius noch mit einem Achsstand von 3 m durchfahren.
Eine gewisse Beweglichkeit der Achsen ist unter allen Umständen von Vortheü.
Die Curvenwiderstände werden dadurch herabgezogen und die Gefahr der Entgleisung wird
verringert. Diese Beweglichkeit ist dadurch zu erreichen, dass man entweder den Achs-
schenkel länger als die Achsbüchse macht und dadurch die seitliche Verschiebung der
Achse im Lager ermöglicht, oder indem man die Achslagerführungen derartig gestaltet,
dass dieselben die seitliche Verschiebung der ganzen Achsbüchse mit der Achse innerhalb
gewisser Grenzen zulassen. Die Achsgabeln haben dann nur noch den Zweck die Lage der
Achse rechtwinklig zur Wagenrichtung zu sichern. Durch solide Verbindung der Feder
mit der Achsbüchse kann jedoch letzterer Zweck auch durch die Feder allein erreicht
werden und man kann dazu übergehen die Achsgabeln ganz zu beseitigen, und damit eine
Quelle von Reparaturen in Wegfall bringen, ohne die Sicherheit im Mindesten zu gefährden.
Sobald die, für einen den örtlichen Verhältnissen stets anzupassenden Betriebe, erfor-
derliche Wagengrösse ein gewisses Maass überschreiten muss, dann ist man gezwungen zu
anderen Achsconstructionen überzugehen um das Befahren der oftmals engen Curven zu
ermöglichen.
Man kann annehmen, dass bei den Betriebsmitteln der Localbahnen ein Wagen mit
24 Sitzplätzen die Grenze bildet bis zu welcher noch feste Achsstände verwendbar sind. Wagen
mit mehr als 24 Sitzplätzen und entsprechend grossen Plattformen müssen bewegliche
Achsen erhalten.
Zeitschrift f. Local- u. Strassenbahnen. 1889.

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