Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — VIII. Jahrgang.1889

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DEII BAUER’sche SCHIENENRUCKEI!.

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ist genau zu beachten, dass beide Geleise zu gleicher Zeit und in gleicher Weise bewegt
werden müssen, um die an den Schienen hängenden Mittelschwellen stets im Winkel zu
erhalten. Selbstverständlich sind da, wo sich die Schienenhaken oder Schrauben am Schien-
fuss fest eingefressen haben, dieselben ein wenig zu lüften, um einer Verrückung der
Mittelschwellen aus dem Winkel vorzubeugen, oder diese sind, wenn nötbig, in ihre richtige
Lage zurückzuschlagen. Das gleichzeitige Arbeiten an beiden Geleisen mit je einem Appa-
rat empfiehlt sich auch in anderen Fällen, schon der grösseren Zeitersparniss wegen.
Ausser für die Bahnerhaltung dürfte der Bauer’sclie Schienenrücker auch für
neuen Oberbau von der grössten Bedeutung sein. Die vorerwähnten Missstände, welche
sich bei einem schon längere Zeit im Betriebe befindlichen Oberbau, wo sich Schwellen und
Bettungsmaterial immerhin schon gesetzt haben, einfinden, treten in verstärktem Maasse
bei neuem Oberbau vor, welcher wie bekannt doch mindestens bis 14 Tage ungebettet da-
liegt. Während dieser Zeit verkehren Eollwagen und Arbeitszüge, welche bei dem ge-
ringen Widerstande schon an und für sich die vorhandene Neigung der Gestänge zum Wandern
ausserordentlich begünstigen. Da man einen Hiilfsapparat zum Reguli reu eines so ver-
zerrten Schienengestänges nicht hatte, so musste mau eine solche zwar neue, aber dem nun
folgenden Verkehr schädliche Geleisanlage dem Betriebe übergeben. Nach dem vorher
Gesagten ist es einleuchtend, dass der Schienenrücker für die Oberbau-Erhaltung von der
grössten Bedeutung sein wird, da sich mit ihm die Temperaturräume, bevor man zur Ein-
bettung der Schwellen schreitet in sein- bequemer und billiger Weise reguliren lassen.
Es sei beiläufig erwähnt, dass es sich für Geleisregulirungen von neuem Oberbau
empfiehlt die Apparate mit 30 bis 40 cm. längerer Spindel auszurüsten, da die durch
Treiben auszugleichenden Differenzen oftmals bedeutend sind und bei kurzer Spindel ein
zu häufiges An- und Absetzen des Apparates erforderlich wird.
Vorzüge (1er Bauer’,sehen Methode
gegenüber dem bisherigen Verfahren.
1) Zu jeder Jahreszeit können Schienen auch bei dem stärksten GefällWechsel mit
Sicherheit in 4—10 Minuten ausgewechselt oder gewendet werden;
2) Die Beschädigungen der Schienen durch Schläge gegen die Stossflächen derselben
fallen in Zukunft fort;
3) Die Verwendung von Haustücken und die mit diesen verbundenen-bedenklichen
Missstände kommen in Fortfall;
4) Es wird bedeutend an Arbeitslöhnen und Arbeitszeit gespart. Das Verfahren
zeichnet sich durch seine Billigkeit aus;
5) Die Dillatationen können mit weit grösserer Sicherheit und Genauigkeit herge-
stellt und unterhalten werden;
G) Dass durch diese Vorzüge, welche ein besseres Instandhalten des ganzen Ober-
baues bedingen, nicht nur die Sicherheit des Betriebes erhöht wird, sondern dass auch
durch die Leichtigkeit, mit welcher die vorschriftsmässigen Dillatationen jederzeit einge-
halten werden können, die Ursachen der für das rollende Material so verhängnissvollen
Stösse ganz bedeutend eingeschränkt sind, ist einleuchtend. Auf einer durch einen
Bauer’schen Schienenrücker im Stand gehaltenen Strecke werden die zuweilen verhängniss-
vollen Bandagen- oder Federbrüche zu den Seltenheiten gehören, insbesondere wenn später-
hin die noch vorhandenen Haustücke oder durch Schläge verletzten Schienen ausgemerzt
sein werden.

Zeitschrift f. Local- u. Strassenhahmu. 1889.

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