Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — VIII. Jahrgang.1889

Seite: 78
Zitierlink: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/Zb-2423-8-1889/0084
Lizenz: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
78

STRASSENBAHNRECHTLICHE STREITFRAGEN.

Es soll nun am Schlüsse dieser Beschreibung noch ausdrücklich erwähnt werden,
dass ein und derselbe Apparat nicht ohne Weiteres für alle Profile verwendet werden
kann, sondern dass er für jedes Profil andere Treibkloben B verlangt, da diese wie vorher
erwähnt, sich so viel als möglich an die Schiene anlegen sollen, wenn man Beanspruch-
ungen auf die Zapfen S vermeiden will, welche leicht zu einem Bruche führen können. Nur
bei ganz geringen Abweichungen der Profile ist die Verwendung ein und desselben Treib-
klobens zulässig.
Wird der Apparat nicht zu schlecht behandelt, so kann man ihm eine unbegrenzte
Lebensdauer zuschreiben, da er in seinen Hauptthcilen aus bestem geschmiedetem Tiegel-
gusstahl hergestellt wird; einzelne vorgekommene Brüche sind vielfach auf falsche Be-
handlung zurückzuführen; so ist uns ein Fall bekannt, den man kaum für möglich halten
sollte, wo ein Bruch der Spindel dadurch herbeigeführt worden ist, dass zwei Schienen-
rücker während des Passirens eines Zuges einfach am Schienenstoss belassen worden waren.
Auch andere Missgriffe besonders beim Geleisreguliren sind vorgekommen, so dass
der Erfinder, dem naturgemäss viel daran liegt, dass sein Werkzeug nicht in Misskredit
komme, bereit ist, sich den Eisenbahnverwaltungen behufs Vornahme von Instruktions-
rcgulirungen auf Wunsch zur Verfügung zu stellen.
Der Preis des Schienenrückers richtet sich nach den Schienenabmessungen; zur Aus-
führung sind eine Zeichnung des Profils, sowie Angaben über Form und Lage der Lasohen-
löcher nothwendig.

XIII.
Strassenhahnrechtliche Streitfragen.
Von I)r. K. Hilse in Berlin.
II. Verbindlichkeit zum Aufbewahren und Vorzeigen der Fahrscheine.
In Deutschland trifft man nur sehr vereinzelt (z. B. Görlitz, Lübeck, Bostock) die
Einrichtung, dass der Fahrgast das Fahrgeld in einen dafür angebrachten Behälter legt.
Ueberwiegend ist vielmehr die Ausgabe von Fahrscheinen üblich, welche in den Fahrzeugen
von den bedienenden Schaffnern gegen Erlegung des tarifmässigen Fahrgeldes verabfolgt
werden. Die Abrechnung zwischen Schaffnern und Betriebsunternehmern pflegt sich liier
in der Weise zu vollziehen, dass letztere den ersteren eine Anzahl Fahrscheine zum Ver-
kaufe übergeben, nach Beendigung der Fahrt die übrig gebliebenen Fahrscheine zurückzu-
geben sind, und für die fehlenden deren Nennwerth baar zu erlegen ist. Insofern dem
Schaffner hier also gleichzeitig das Erheben des Fahrgeldes und die Aufgabe obliegt,
festzustellen, dass jeder Fahrgast sein Fahrgeld 'bezahlt und den Fahrschein erhalten hat,
ist die Möglichkeit durchaus nicht ausgeschlossen, dass er zu seinem Vorthoil die Gesell-
schaft auf mannigfache Weise benachtheiligt. Er erhebt z. B. Fahrgeld, verabsäumt indess
die Abgabe eines Fahrscheines; oder er verausgabt einen minderwerthigen oder einen früher
schon einmal verausgabten Fahrschein. Dem Betriebsunternehmer geht in derartigen Fällen
der Betrag verloren, welcher von dem Schaffner über den Nennwerth der am Bestände
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Impressum   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list