Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — VIII. Jahrgang.1889

Seite: 82
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LOCALBAHNEN IN DEN NIEDERLANDEN.

dürfe vielmehr ohne jede Gegenleistung in Form eines Fundlohnes die Herausgabe fordern.
Habe jedoch der Betriebsunternehmer kein Hecht auf Finderlohn, so könne der zufällige
Umstand, dass ein Dritter das Zurücklassen zuerst bemerkt hatte, darin nichts ändern, also
weder ein Hecht auf Fundgeld noch eine Pflicht des Betriebsnnternehmers begründen,
solches für ihn gegen den Eigenthümer geltend zu machen. Könne nach alledem aber von
einem Fundrechte für den das Zurückbleiben bemerkenden Mitfalirgaste keine Hede sein, so
fehle jeder Kechtsgrund, aus welchem er gegen den Betriebsunternehmer die Herausgabe
der fraglichen Gegenstände zu beanspruchen habe.
Endlich war in zwei Fällen gegen Fahrgäste, welche zurückgebliebene Gegenstände
aus Strassenbahnwagen mitgenommen und für sich verwendet hatten, Anklage wegen Dieb-
stahls erhoben und Verurtheilung dieserhalb erfolgt. Der Strafrichter nahm gleichfalls an,
dass die Gegenstände sich in der Aufbewahrung des Betriebsunternehmers befunden hätten,
ihm weggenommen seien und deshalb keineswegs nur der Thatbestand einer Fundunter-
schlagung vorliege, welche.das Fehlen jedes Gewahrsamsverhältsnisses voraussetze.

XIV.
Localbahnen in den Niederlanden.
(Schluss).
Bearbeitet nach der holländischen Zeitschrift „de ingenieur“ Nr. 24, 25, 26 und 27,
Jahrgang 1888.
Von A. von Horn, Hamburg. v
Der Oberbau kommt selten als besonders genannter Werth in der Bilanz vor; dess-
halb nehme man an, dass eine eingeleisige Localbalm für 6000 *) fl. per Kilometer mit einem
durchgehends neuen und hinlänglichen Oberbau versehen werden kann und dass dieser Betrag
in 15 Jahren durch Abschreibung erspart sein muss. Wenige Elemente des Localbahnbaues
laufen vielleicht so sehr auseinander, als gerade die Construction des Geleises. Man lasse
ferner nicht aus dem Auge den Verband zwischen Abnutzung oder Gebrauch, Unterhaltung
und Abschreibung, welche einander oft theilweise ersetzen; eine gute Unterhaltung und
sparsamer Gebrauch drücken den Abschreibungscoefficienten. So schwankt z. B. die im
Mittel pro Tag zurückgelegte Entfernung bei Pferden zwischen 12 und 22 km, bei Locomo-
tiven zwischen 20 und 100 km, die Anzahl Züge zwischen 8 und 88.
Da indessen die Abnutzung diesen Ziffern nicht proportional ist, auch von mehr
allgemein wirkenden Umständen abhängig ist, so braucht man sich über die Abweichung
des Abschreibungscoefficienten keine zu grosse Vorstellungen zu machen. Die angenommenen
sind in jedem Falle nicht ungünstig zu nennen, wenn man bedenkt, dass:
1. auf Geräthschaften und alles, was ausserhalb des Gesagten liegt, nichts abge-
schrieben wird;
2. Brücken und andere kleine Kunstwerke wahrscheinlich nach Verlauf von 30
Jahren einige Erneuerung erfordern werden, während für einen Reservefond für
aussergewöhnliche Verluste im Ganzen nichts gerechnet wird.
*) Erscheint sehr niedrig angenommen, Die Redaction.
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