Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — VIII. Jahrgang.1889

Page: 121
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GENOSSENSCHAFT DER STRASSENBAHNUNTERNEHMER,

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gewisse Gefahr für die bessergestellten Mitglieder gegenüber den unbemittelten. Anders
bei der unbeschränkten Nachschusspflicht. Sie würde sich am geeignetsten den Zwecken
anpassen lassen, wenn nicht § 120 mit § 112 die Betheiligung aller Mitglieder auf nur
einen Geschäftsantheil beschränkte. Diese Beschränkung sehliesst die Möglichkeit aus,
dass die grösseren Erwerbsgesellschaften auch mit einem grösseren Geschäftsantheile heran-
gezogen werden sollen; deshalb bleibt nur die beschränkte Haftpflicht übrig. Nach § 128
kann das Statut die Betheiligung des Genossen auf mehrere Geschäftsantheile unter Fest-
setzung der höchsten Zahl derselben gestatten. Nach Höhe des Geschäftsanteils ist auch
die Haftsumme des Genossen (§ 125) zu bestimmen. Aut die Haftsumme beschränkt sich
aber die Eintrittspflicht der Mitglieder für Gesammtschulden. Mithin ist völlig ausge-
schlossen die Möglichkeit, in ungeahnter Höhe für letztere eintreten zu sollen. Die
Gläubiger der Genossenschaft, also die verschiedenen Verkehrsanstalten, werden ihrerseits
aber hinreichend gesichert, dass das übernommene Risiko auch regulirt werde, weil einmal
§ 7,115 die Ansammlung eines Reservefonds anordnet, § 20 dessen Verstärkung durch unter-
bliebene Verteilung des Gewinnes während 10 Jahre vorsieht, § 19 endlich bei nicht Voll-
zahlung der Anteile die Zuschreibung des Gewinnes so lange fordert, bis der volle Ge-
schäftsantheil erreicht wurde. Dazu tritt die Verpflichtung des § 24, dass zwei Personen
den nach § 32 solidarisch haftpflichtigen Vorstand, sowie des § 34, dass mindestens drei Ge-
nossenschaftsmitglieder den Aufsichtsrath bilden sollen, endlich der §§51, 59, dass eine un-
befangene und unparteiische Geschäftsrevision mindestens alle 2 Jahre zu erfolgen habe, um
hinreichende Garantieen dafür zu bieten, dass sowohl die schadlos zu haltenden Verletzten,
als auch die versichernden Verkehrsanstalten, endlich die aus solchen sich zusammensetzen-
den Genossenschaftsmitglieder in ihren berechtigten Interessen voll und ganz gesichert sind,
ln Anbetracht der Thatsache, dass der Konkurs über das Vermögen der Genossenschaft
sowohl während ihres Bestehens, als auch nach ihrer Auflösung bei sich herausstellender
Vermögensunzulänglichkeit vorgesehen wurde, dass sowohl der Vorstand als auch die
Liquidatoren, § 142, straffällig werden, wenn sie die, §§ 92 u. 134 bezw. § 111, ihnen
obliegende Konkursanmeldung verabsäumten, sind hinreichende Garantieen, mindestens aber
ebenso sichere für die Versicherungsnehmer geschaffen, als diese durch die Versicherungs-
nahme bei einer Versicherungs-Gesellschaft erlangen. Denn auch für letztere ist der Ein-
tritt der Ueberversclmldung und der Ausbruch des Konkurses vorsehbar, aber nicht ab-
sehbar wie die Schuldregulirung erfolgen kann, wenn ein grosser Bruchtheil der eingelegten
Wechsel sich als uneinziehbar erweist, was in dem Konkursverfahren überverschuldeter
Versicherungs-Gesellschaften in der Praxis der Gerichtshöfe sich mehrfach gezeigt hat.
Nach dieser Richtung hin erscheint also gleichfalls die Genossenschaft sicherer als die
Aktion-Gesellschaft, weil die Haftpflicht ihres Vorstandes und ihrer Liquidatoren bürgerlich-
und strafrechtlich eine weitergehende ist.
Nur wie es zu halten und was zu erwarten ist, wenn ein Genossenschafter ausscheidet,
könnte noch von Einfluss sein. Nach §74 und § 132 kann die Uebertragung des Antheils
eines Genossenschaftsmitgliedes jeder Zeit und so lange auf ein anderes erfolgen, bis der
Höchstbetrag der Geschäftsantheile für letzteres erreicht ist. Ist der Erwerber es noch
nicht, so muss er Mitglied der Genossenschaft werden. Er tritt in alle Rechte und Pflichten
des Ausscheidenden ein. Bei einer Verschmelzung mehrerer Verkehrsanstalten oder bei
einer Besitzveränderung solcher geht mithin der Geschäftsantheil nicht verloren, vielmehr
durch Uebertragungsvertrag auf dessen Erwerber über. Nach § 63 kann zum Schlüsse
jedes Geschäftsjahres ein Genosse seinen Austritt erklären. Die Auseinandersetzung mit
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