Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — VIII. Jahrgang.1889

Page: 129
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XX.

Die Unfallsgefahr der Schweizer Gebirgsbahnen.
Von Dr. K. Hilse in Berlin.
Die Schweizer Gebirgsbahnen nehmen in mannigfacher Hinsicht die Aufmerksamkeit
in Anspruch und sind nach verschiedenen Gesichtspunkten höchst beachtenswerte Der
Eisenbahntechniker, der Volkswirth, der Finanzmann, der Statistiker wird je von seinem Stand-
punkte aus in diesen Schöpfungen der Neuzeit bemerkenswerthe Beobachtungen machen
und für sein Wissensgebiet Belehrung finden können. Indem er mit Rücksicht auf seine
Fachwissenschaft die Einrichtungen, welche er vorfindet, betrachtet, nach ihrer Zweck-
mässigkeit und Zuverlässigkeit prüft, wird er leicht Mängel entdecken, welche Anderen
entgehen, und durch ihre Offenlegung sowohl den Unternehmern wie der Allgemeinheit
dienen. Die Unfallsgefahr, welche die Einrichtungen der einzelnen Bahnen in grösserem
oder geringerem Umfange bergen, ist keineswegs zu unterschätzen. Denn jeder eingetretene
Unfall wird naturgemäss um so abschreckender wirken, als die Mehrzahl der Fahrgäste
die Bahnen zu Vergnügungszwecken benutzen, und leicht geneigt sind, von der Benutzung
abzustehen, sobald sie von einem eingetretenen Unfälle gehört haben, ohne sich auch nur
der Mühe zu unterziehen, dem Grunde jenes Unfalles nachzuforschen.
Eine Unfallsgefahr kann nicht bloss in der Art und dem Betriebe der Bahnen, son-
dern auch in denjenigen Verwaltungseinrichtungen liegen, welche der Bewegung des Wagens
vorgehen oder folgen, d. h. beim Besteigen oder Verlassen der Fahrzeuge. Sachwidriger
Abschluss des Bahnstieges, ungenügende Maassregeln gegen einen Massenandrang, unter-
bliebene Vorkehrungen zum Schutze körperlich Gebrechlicher, sofern solche zur Bahn-
benutzung zugelassen werden, sind leicht geeignet, Unfälle zu zeitigen. Wo eine Eintritts-
verbindlichkeit der Bahnen für Unfallsgefahren besteht, was in gewissem Umfange auch
für die Schweiz der Fall ist, beschränkt sich solche keineswegs auf Vorgänge, die das
rollende Fahrzeug verursacht hat, sondern erstreckt sich darüber hinaus auch auf solche
Unfälle, welche beim Zu- und Absteigen eintreten, sofern sie ihre Ursache in fehlerhaften
Betfiebseinrichtungen haben.
Zur Prüfung und Beurtheilung, ob in bahntechnischer Hinsicht dem Gefahreneintritte
wirksam vorgebeugt ist, soweit dies vom Standpunkte der heutigen Tiefbaukunst nur irgend
möglich ist, reichen meine diesbezüglichen Vorkenntnisse nicht völlig aus. Soweit sie dies
thun, erscheint jede Gefahr in dieser Hinsicht ausgeschlossen. Selbst die Drahtseilbahn
auf den Bürgenstock, welche nach ihrer Anlage den Sachunkundigen und Aengstlichen
leicht zu Besorgnissen Anlass giebt und jedenfalls das kühnste Bauwerk dieser Art ist,
welches ich zu sehen Gelegenheit hatte, erscheint nach Bauart und Betriebsweise völlig
gefahrlos. Es sind hier und ebenso bei der Pilatusbahn alle Erfahrungen verwerthet
und Vorkehrungen getroffen, welche jede Entgleisung der Wagen zu verhindern und selbst
Zeitschrift f. Local- u. Strassenhahnen. 1889. iq
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