Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — VIII. Jahrgang.1889

Seite: 133
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BAU UND BETRIEB VON LOCALBAHNEN IM RECHTSRHEINISCHEN BAYERN. 133

XXI.
Bau und Betrieb von Localbahnen im Rechtsrheinischen Bayern.
In den No. 45, 47, 97 und 98 vom Jahrgang 1888 d. Ztg. des Vereins Deutscher
Eisenb.-Verwalt. sind die vom bayerischen Staate erbauten und betriebenen Localbahnen
eingehend beschrieben. Mit Rücksicht auf die gute Bewährung des gewählten Systems
und die günstigen Betriebsresultate dieser Bahnen (siehe 1888 S. 1G4 und den Literatur-
bericht dieses Heftes) geben wir im Folgenden die wichtigsten der Constructionsprincipien,
sowie die besonders beachtenswerthen, sehr einfachen Betriebseinrichtungen kurz wieder.
Ausser diesen Staatsbahnen bestehen in Bayern auch noch Privat-Localbahnen (S. 919 a. a. 0.);
zu letzteren gehört die G km lange Ludwigsbahn zwischen Fürth und Nürnberg, welches
die älteste, seit dem Jahre 1835 in Betrieb stehende Localbahn Deutschlands ist.

A. Bauliche Anlage.
1) Projectirung und Aussteckung.
Die ersten generellen Erhebungen über die neu zu erbauenden Linien werden entweder
auf Kosten der Interessenten vorgenommen, oder es werden diese (auf 200—400 Mark pro
Kilometer sich belaufenden) Kosten vom Staate aus dem allgemeinen Projectirungsfonds
gedeckt, so dass dem Baufonds der Localbahnen nur diejenigen Kosten zugerechnet werden,
welche für Projectirung und Aussteckung nach gesetzlicher Genehmigung erwachsen.
S) Grunderwerb.
Die Kosten für den Grunderwerb betragen einschliesslich Vermerkung durchschnittlich
1500—3500 Mk. pro Kilometer, erreichen bei besonders ungünstigen Verhältnissen aber
auch eine Höhe bis zu 7000 Mk. Diese Kosten werden von den Interessenten der Bahn
(in der Regel Districts- und Gemeindeverbände) getragen. Die vorbereitenden, geometrischen
Arbeiten werden, nachdem rechtsverbindliche Beschlüsse der Interessenten dieserhalb vor-
liegen, seitens der Königlichen Bauverwaltung hergestellt; letztere leitet auch das ganze
Geschäft, während die Bezahlung direct durch die Interessenten erfolgt.
3) Erd- und Dammarbeiten.
Die Kosten hierfür sind zufolge des fast völligen Anschliessens der Linien an das
Terrain, das durch einen häufigen Wechsel von Steigung und Gefälle, sowie von Krüm-
mungen und Geraden erreicht wurde, nicht bedeutend, betragen nämlich durchschnittlich
nur zwischen 3000 und 4000 Mk. pro Kilometer, erreichen ausnahmsweise jedoch Beträge
bis zu 12000 Mk., gehen aber auch bei besonders günstigen Verhältnissen bis auf 1700 Mk.
herab. Die geringste Länge einer Geraden zwischen zwei Gegenkrümmungen ist zu 15 m
festgesetzt; die Böschungen sind gewöhnlich 5/4fach angelegt. Der Erdkörper hat, in einer
durch den Schienenfuss gelegten Ebene gemessen, stets eine Breite von 3 m.
Bei Mangel an billigem Kies oder Sand wird für den Langschwellenoberbau
der Erdkörper bis unter die Schienen ausgeführt; in denselben wird sodann für jeden Strang
ein 25 cm breites und 30 cm tiefes Prisma für die Bettung ausgebobeu. Letztere besteht
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