Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — VIII. Jahrgang.1889

Page: 155
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EINIGES ÜBER DRAHTSEILBAHNEN.

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XXVII.
Einiges über Drahtseilbaiinen.
(Mit 1 Figur im Texte.)
Da in unserem ganzen wirthscliaftlichen Berufsleben neben der Gewinnung und Ver-
edelung der Güter der Transport derselben eine Hauptrolle spielt und von diesem gewich-
tigen Factor häufig genug die ganze Rentabilität eines Unternehmens abhängt, so ist es
begreiflich, dass bei unserem heutigen scharfen Concurrenzkampf diesem Gebiet allseitig
die grösste Aufmerksamkeit geschenkt und jede nur irgend mögliche Erleichterung mit
Freuden begrüsst wird.
Unter den mannigfachen Transportmitteln, welche sich in neuerer Zeit eingebürgert
und eine ausgedehnte Anwendung gefunden haben, sind nun in erster Linie auch die
Bleich ert’schen Drahtseilbahnen zu nennen; die Anwendbarkeit dieses Systems ist eine
ausserordentlich vielseitige, viele Hunderte von Ausführungen sind schon jahrelang im Be-
triebe und es erscheinen somit diese Bahnen berufen, neben den Secundär- und Schmalspur-
bahnen und namentlich auch dort, wo letztere nicht ausführbar erscheinen, grosse Dienste
zu leisten.
In Folgendem wollen wir versuchen, einen Ueberblick über die mannigfachen Formen,
unter denen Drahtseilbahnen zur Anwendung kommen, zu geben, indem wir, von dem that-
sächlichen geschichtlichen Entwickelungsgang absehend, die einzelnen Gruppen von der ein-
fachen Drahtriese bis zur vollständigen Drahtseilbahn mit continuirlichem Betrieb in Kürze
besprechen.
Ganz allgemein kann man Drahtseilbahnen als Transportvorrichtungen betrachten, bei
welchen ein gespannter Draht oder ein gespanntes Seil als Laufbahn benutzt wird, und ist
es dabei gleichgültig, in welcher Weise man die Befestigung und Anspannung der Lauf-
bahn erzielt. Die einfachste Form der Drahtseilbahnen ist dann unstreitig die Dralltriese,
die im Hochgebirge in der denkbar primitivsten Ausführung zum Herabriesen (Bergab-
Transport) von Reisig, Faschinen, Säcken etc. benutzt wird. Als Laufbahn bedient man
sich eines G—8 mm starken Drahtes, der ^zu beliebiger Länge zusammengelöthet, in der
oberen Station an einem Baumstamme oder anderem festen Gegenstände verankert und
durch eine auf das andere Ende wirkende Winde in Spannung versetzt wird. Zwischen-
unterstützungen werden ebenfalls in einfachster Weise unter Benutzung von vorhandenen
Bäumen etc. hergestellt und auf der so gebildeten Laufbahn wird dann der Wagen frei
aufgehängt und ohne weitere Vorrichtung mit seiner Last thalwärts befördert. Die Wagen
sind natürlich ebenfalls einfachster Art, als Haken mit Gleitsattel oder mit kleinen Röllchen
ausgebildet; sie werden von der Ankunftsstation in bestimmten Zwischenräumen und in
grösserer Anzahl vermittelst einer Schnur wieder nach der Abgangsstation zurück befördert.
Ein regelmässiger Betrieb lässt sich natürlich mit einer derartigen Anlage nicht erreichen,
da vor allen Dingen jede Einrichtung fehlt, die Geschwindigkeit, mit welcher sich die
Wagen bewegen, den praktischen Bedürfnissen entsprechend zu regüliren; die Wagen laufen
daher häufig mit grosser Geschwindigkeit in der uuteren Station ein, beschädigen sich und
ihren Inhalt und konnte man deshalb werthvolle Materialien mit ihnen nicht wohl befördern.
Ebenso ist die Beförderung grösserer Nutzlasten mit Rücksicht auf die schwache Laufbahn
unmöglich. Durch die Anwendung eines Seiles als Laufbahn, d. h. also durch den Ueber-

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