Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — VIII. Jahrgang.1889

Seite: 161
Zitierlink: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/Zb-2423-8-1889/0171
Lizenz: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
LITERATURBERICHT. — ALLGEMEINES.

161

theureren, so doch im Betriebe erheblich billigeren Bleichert’schen Anlagen verdrängt
werden.
Schliesslich wollen wir hier auch noch das in England erfundene Telpherage-System
erwähnen, nach welchem auf festen Tragseilen zugweise geordnete Wagen durch kleine
electrodynamische Locomotiven fortbewegt werden sollen. Wenn hierbei nun auch das Zug-
seil in Wegfall kommt, so werden doch andererseits so viele complicirte und theure Apparate
benöthigt, dass von einer Ersparniss wohl nicht die Ilede sein kann. Da andererseits aber
auch nicht annähernd die gleiche Einfachheit und Sicherheit des Betriebes erreicht werden
kann, wie bei den Bleich er t’schen Bahnen, so dürfte dieses System in der Praxis kaum
Anwenduug finden.

Literaturbericlit.
a) Allgemeines.
Juristisches (Entscheidungen, Gesetzentwürfe und juristische Betrachtungen).
Begriff der höheren Gewalt in § 1 des Haftpflichtgesetzes: Interessante und wichtige Reichs-
gerichts-Entscheidungen aus der Praxis des Strassenbalin-Yerkehrs. (Aus Zeit. d. Ver. d. Eisenbahn-Verw.
übergegangen in Zeitschr. f. Transportwesen 1888, S. 189, 200, 209, 220, 230.)
Strassonhahnen-Eisenbahnen. Für die Ansicht, dass Strassenbahnen als Eisenbahnen anzusehen
sind, sind seitens des Reichsgerichts diverse Gründe angegeben; dieselben sind im Auszuge enthalten in
(Zeitschr. f. Transportwesen 1888, S. 63.)
Unterscheidung von Eisenbahnen und Dampftrambahuen in Italien. Eine Gesellschaft hatte
durch Vertrag das Privilegium zum Bau einer Eisenbahn zwischen Mailand und Saronno erworben und
verlangte auf Grund hiervon, dass der Gesellschaft, welche die bisherige Trambahn zwischen den ge-
nannten Städten betreibt, die Befugniss, Dampf oder irgend eine andere mechanische Kraft für den Be-
trieb zu verwenden, entzogen werde, wurde aber überall abgewiesen, weil eine mit Dampf betriebene
Trambahn nicht als Eisenbahn zu betrachten sei.
(Zeitschr. f. Transportwesen 1889, S. 118.)
Haftbarkeit der Strassenbahnen. Nach einem Erkenntniss des Deutschen Reichsgerichts sind die
Unternehmer für Dampfstrassenbahuen für Unfälle haftbar, welche durch Scheuwerden von Pferden ent-
stehen. (Die Strassenbahn 1889, S. 155.)
Zur Haftpflicht der Pferdebahnen. Die Neue Berliner-Pferdebahn-Gesellschaft fand sich auf
dem Vergleichswege mit einem durch Fahrlässigkeit des Pferdebahnkutschers Verletzten durch Zahlung
einer Summe ab, lehnte dagegen die Erstattung der der Orts-Krankenkasse (welcher der Betreffende an-
gehörte) erwachsenen Auslagen für Krankengeld und Medicin an diese ab. Durch Entscheidung des
Oherverwaltungsgerichts ist dagegen festgesetzt, dass die Auslagen zu erstatten sind, weil der Anspruch
des Verletzten auf Grund des Haftpflichtgesetzes nach dem Krankenkassen-Versicherungs-Gesetz auf die
Krankenkasse übergegangen ist, und die Ortskasse die Gesellschaft hiervon benachrichtigte, bevor die
Letztere sich mit dem Verletzten verglichen hatte.
(Die Strassenbahn 1889, S. 93, und Zeitschr. f. Transportwesen 1889, S. 107.)
Haftpflicht. Eigenes Verschulden. Ein blosser Mangel der gehörigen Aufmerksamkeit begrün-
det noch nicht ein die Haftpflicht der Eisenbahn ausschliessendes Verschulden des Beschädigten im Sinne
des § 2 des Haftpflichtgesetzes. Aus dem Unfall-Versicherungsgesetz, welches den Anspruch des Ver-
letzten nur bei dessen vorsätzlichen Herbeiführung des fraglichen Betriebsunfalles ausscliliesst, erhellt,
dass nicht jedes entschuldbare Versehen und augenblickliches Sichvergessen als Verschulden anzusehen ist.
(Ztg. d. Vereins d. Eisenb.-Verw. 1889, S. 570.)
22

Zeitschrift f. Local- u. Strassenbahnen. 1889.
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Impressum   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list