Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — VIII. Jahrgang.1889

Page: 194
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KLEINERE MITTHEILUNGEN.

Kleinferfe Mitthef lungen.
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c.
Ein Beitrag zum Vergleich der Kosten zwischen Normal- und Schmalspurbahnen.
Auf S. 908 des Jahrgangs 1888 der Ztg. des Vereins Deutscher Eisenb.-Verwalt, findet sich zur
weiteren „Klärung“ der viel erörterten Frage eine vergleichende Kosten-Berechnung zwischen einer normal-
spurigen und schmalspurigen Bahn hei relativ ebenem Terrain, unter der wichtigen Voraussetzung, dass
für beide Spurweiten dieselbe Horizontalprojection der Trace beizubehalten ist. Es sind dabei die heim
Bau der normalspurigen Localhahn Landsberg-Schönau in Bayern verausgabten Beträge zu Grunde gelegt
und speciell die kilometrischen Ersparnisse für diese Bahn bei Ausführung mit einer Schmalspur von
1,0 m berechnet. Zur Ermittelung der Minderkosten beim Oberbau ist der Preis des Oberbaues der gleich-
zeitig ausgeführten Schmalspurbahn von Eichstätt Bahnhof nach der Stadt Eichstätt berücksichtigt. Der
Verfasser. E. v. Sch. rechnet mit einer Kronenbreite von 2,0 m hei der Schmalspur- und von 3,0 m bei
der Normalspurbahn und findet, dass im vorliegenden Falle pro km an Grunderwerb, Erd- und Damm-
arbeiten, sowie an Kunstbauten höchstens zusammen M. 1675.—, an Oberbau M. 1900.—, zusammen also
höchstens M. 3575.— hätten gespart werden können. Die übrigen Kosten für Projectirung, Einfriedigung,
Hochbauten und Telegraphen, Instrumente und Werkzeuge, sodann Bauführung, Bauleitung und Ober-
leitung blieben ganz die gleichen, ob schmalspurig oder normalspurig gebaut würde. Dagegen träte
für die Schmalspurbahn ein wesentlicher Mehrbedarf an Fahrmaterial auf; dieser verursache allein schon
einen Kostenaufwand von solcher Höhe, dass von den vorberechneten Ersparnissen der grösste Theil, wenn
nicht Alles, wieder aufgezehrt'würde. Beispielsweise wird angegeben, dass die Kosten des Fahrmaterials
für die Eichstätter Schmalspurbahn M. 15,170 pro km, d. i. etwa das Doppelte der entsprechenden Kosten
bei einer gleich langen normalspurigen Localbahn betragen. (Vergl. die Kostenangaben bei den Bayrischen
Localbahnen in diesem Heft.) Speciell wird noch erwähnt, dass von den Mehrkosten, welche das Umladen
der Güter bei schmalspuriger Anlage für den Betrieb, desgleichen von den erhöhten Kosten der Unter-
haltung des grösseren Fahrparks bei der Berechnung ganz abgesehen worden ist. Daraus wird nun ge-
folgert, dass die Erbauung der genannten Localbahn als Schmalspurbahn nur unwesentliche Ersparnisse
gegenüber der Kosten für die normalspurige Ausfülirung ergeben haben würde.
Gegen diese auf thatsächlicher Unterlage beruhenden Berechnung, die demzufolge auch in dem
speciellen Fall ziemlich zutreffend sein dürfte, ist zunächst nur einzuwenden, dass vom Verfasser die ge-
ringeren Betriebskosten der Schmalspurbahnen nicht beachtet sind. Zu diesen sind auch die jährlichen
Erneuerungskosten zu rechnen. Letztere sind aber bei der Schmalspurbahn unzweifelhaft kleiner, als hei
der Normalspurbahn. In dem bereits im I. Hefte S. 56 erwähnten Aufsatz des Ingen. Preyer über die
günstigste Spurweite der Schmalspurbahnen wird auf Grund von Erfahrungen berechnet, dass hei 75 cm
Spur an Kosten für die Erneuerung des Oberbaus pro km jährlich ca. 100 fl. im Vergleich zur normal-
spurigen Bahn gespart werden. Diesen Minderkosten steht allein eine geringe Mehrausgabe bei den
Tagelöhnern zur Unterhaltung der Gleise entgegen, so dass in Summa nicht unerheblich gespart wird.
Danach können wir der Ansicht des Verfassers nicht beistimmen und halten selbst unter der An-
nahme derselben Linienführung eine rationell gebaute Schmalspurbahn, bei einigermaassen grösserer Länge
derselben, unter Berücksichtigung aller Umstände für wesentlich billiger als eine Normalspurbahn. Bei
dieser Gelegenheit möge erwähnt werden, dass nach der Zeitschr. für Transportwesen die kilometrischen
Baukosten für schmalspurige und normalspurige Localbahnen in Frankreich sich im Mittel wie 57: 10O
verhalten. Die durchschnittlichen Neubaukosten der Schmalspurbahn betrugen nur 80,000 Frcs., der
normalspurigen Localbahn dagegen über 141,000 Frcs.
Die gemachte Annahme, dass bei beiden Spurweiten dieselbe Horizontalprojection der Trace zu
wählen ist, dass also u. A. die Anwendung schärferer Kurven keinerlei Vortheile bietet, dürfte überdies
nur in den seltensten Fällen zutreffen. Ist dies aber einmal der Fall, so gehen damit allerdings die
wichtigsten Vortheile der schmalen Spur verloren. E. D.
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