Süddeutsche Photographen-Zeitung: Monatsschrift für Photographie u. verwandte Reproductionsarten — München, I. Jahrgang (April 1894 - März 1895).1895

Seite: 100
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Süddeutsche Piiotographen-Zeitung.

Rundschau
durch grosse deutsche Werkstätten und bedeutende Ateliers.
Trockenplatten-Fabrik von Dr. C. Schleussner, Frankfurt a. M.
Auf dem Terrain des ehemaligen Westbahnhofes in Frankfurt a. M. erhebt sich
jetzt ein völlig neuer Stadtteil, in dem in den letzten Jahren die Häuser wie
Pilze aus der Erde wuchsen.
In einer dieser neuen Strassen, der Elbestrasse, fallt ein grosses Gebäude
einmal durch vornehme einfache Eleganz der in Verblendbacksteinen mit grauer
Sandsteinfassung ausgeführten Front, anderseits dadurch auf, dass bis auf wenige
Fenster des Parterrestockes stets alle Fenster durch Rolläden fest verschlossen
sind und so den Eindruck erwecken, als ob man vor einem unbewohnten Hause
stünde. Es ist die Trockenplattenfabrik von Dr. C. Schleussner, wie uns
auch eine auf 2 Meter grosser Marmortafel in goldenen Eettern eingegrabene
Inschrift anzeigt, die sich an der Vorderfront unter der doppellebensgrossen
Büste Daguerre's, des Erfinders der Photographie, befindet. Diese Fabrik ist aus
sehr kleinen Anfängen hervorgegangen. Das jetzt in aller Herren Länder ein-
geführte Fabrikat Gelatine-Emulsionstrockenplatten wurde zuerst von dem Gründer
der Firma, Herrn Dr. Schleussner sen. mit einigen wenigen Leuten herge-
stellt, die Platten mit der Hand gegossen etc. Es war das im Jahre 1879, als
zuerst die Trockenplatten anfingen, das nasse Verfahren zu verdrängen. Die
Fabrikation geschah damals in einem Zimmer eines Wohnhauses Stiftstrasse 8.
Bald vergrösserte sich die Nachfrage derart, dass ein zweites Zimmer, dann ein
ganzes Stockwerk und schliesslich das ganze 4Stöckige Vorder- und 2stöckige
Hinterhaus bis auf den kleinsten Platz vom Boden bis zum Keller ausgenutzt
werden musste. Der Handbetrieb war schon längst, soweit angängig, in allen
Betrieben durch Maschinenbetrieb ersetzt. Bald aber waren auch diese Lokalitäten
selbst bei änglichster Ausnützung des Raumes (selbst der Hof war überdeckt und
den Fabrikzwecken nutzbar gemacht worden) nicht mehr hinreichend und es
wurde dem Gedanken näher getreten, eine neue Fabrik zu bauen. Die Pläne
waren im Geiste des Fabrikherrn und bald auch auf dem Papier vollständig
fertig, aber die Wahl des Platzes erforderte noch manche Schwierigkeit. Endlich
wurde auf dem Terrain des ehemaligen Westbahnhofes, in der jetzigen Elbestrasse,
das gewünschte Terrain erworben und im März 1891 wurde der Grundstein
zur Fabrik gelegt.
1892 war der Bau soweit fertig, dass eine Versuchsweise Inbetriebsetzung
vorgenommen werden konnte.
Am 28. April 1892 wurde die feierliche Eröffnung vollzogen, zu welcher
an Interessenten Einladungen ergangen waren und wurden hiebei denselben alle
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Räumlichkeiten und Einrichtungen gezeigt. Einige Tage später fand dann in
dem grossem Putzsaal für das gesammtc Personal ein Festessen statt, welches
einen schönen Beweis für das gute Verhältniss zwischen Arbeitnehmern und Ar-
beitgebern gab und an welchem auch die Familien der Fabrikinhaber teilnahmen.
Treten wir nun eine kleine Wanderung durch die Fabrik an. Beim Betreten
derselben gelangen wir zunächst in die 3 nach der Strassenseite im Parterre zu
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