Süddeutsche Photographen-Zeitung: Monatsschrift für Photographie u. verwandte Reproductionsarten — München, II. Jahrgang (April 1895 - März 1896).1895

Page: 89
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Ein Beitrag zur photographischen Perspektive.

Von Dr. P. Czermak.


Nachdruck verboten.

nter der gleichen Ueberschrift habe icli im Hefte 10
des I. Jahrganges dieser Zeitschrift versucht, den
perspektivischen Zusammenhang, welcher allen guten
Objektiven (vom rein geometrischen Standpunkt aus
betrachtet) gemeinsam zukommt, in so kurzer Weise
als möglich darzustellen. Es lässt sich dies auch an
der Hand einer einzigen .Zeichnung* ganz einwurfsfrei
abtliun. Nun scheint es mir, dass ich mich damals
doch etwas zu knapp ausgedrückt habe, obwohl ich
absichtlich vieles dem denkenden Leser überliess
und auch manches als selbstverständliche Konsequenz betrachtend über-
ging. In M o 11 ’ s Notizen (Heft Februar—März 1895) finde ich nun
einen Aufsatz des in der photographischen Welt bekannten Fachmannes
H. W. Vogel, welcher sich gerade meinen oben erwähnten Aufsatz zum
Ausgangspunkte mehrerer Erörterungen wählt, denen ich durchaus nicht
beistimmen kann. Es werden darin auch Konsequenzen aus meinen
Aussprüchen gezogen, welche nicht gerechtfertigt sind und nur auf
einer irrigen Deutung beruhen. Da mir das Urteil eines so bedeutenden
Fachmannes nicht gleichgiltig sein kann und ein flüchtiger Leser leicht
dadurch eine unrichtige Meinung über meine damaligen Aussprüche gewinnen
könnte, so fühle ich mich veranlasst, auf dieses Thema etwas ausführlicher
zurückzukommen.
Da es sich hier lediglich um die perspektivischen Verhältnisse der
Bilder handelt, welche bei verschiedenen Objektiven (natürlich von
demselben Standpunkte aus) von demselben Gegenstände erhalten
werden, so entfallen alle Betrachtungen über die Wahl des Standpunktes.
Die Aufstellung (Standpunkt, Distanz, Höhe des Apparates etc.) hat der
Photograph zu besorgen und die daraus resultierende Wirkung stets
diesem und nie dem Objektive zuzuschreiben. Das Objektiv (natürlich
ein fehlerfrei zeichnendes vorausgesetzt) giebt i m m e r eine geometrisch
richtige Centralprojektion und fange ich dieselbe auf einer ebenen (beliebig
orientierten) Platte auf, eine Centralprojektion auf eine Ebene. Dass nun
die scheinbar so verschiedenen Bilder, welche Objektive von verschiedener
Brennweite (natürlich von demselben Standpunkte aus) von demselben
Gegenstände ergeben, durch passende Vergrösserung (resp. Verkleinerung)
immer auf dasselbe Bild gebracht werden können, dies habe ich eben in

* Diese ist leider etwas zu stark verkleinert worden.
Süddeutsche* Photographen-Zeitung. Heft 3.
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