Süddeutsche Photographen-Zeitung: Monatsschrift für Photographie u. verwandte Reproductionsarten — München, II. Jahrgang (April 1895 - März 1896).1895

Page: 285
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Süddeutsche Photographen-Zeitung.

Vogel stellte den Satz auf, dass nur diejenigen Lichtstrahlen eine
chemische Einwirkung ausüben könnten, welche von der empfindlichen
Schicht absorbiert würden. Nun können aber von der gelblich gefärbten
Schicht nur diejenigen Lichtstrahlen absorbiert werden, welche zu der
Farbe wie man sagt, complementär sind, also in diesem Falle vorherr-
schend Blau.
Auf Grund dieser Ansicht, welche sich als richtig erwies, kam
man nun auf den Gedanken, die Schicht zu färben, indem auf diese
Weise andere Farben zu der Schicht complementär wurden, also auch
absorbiert werden konnten und chemische Wirkung üben mussten.
Diese Voraussetzung bestätigte sich nun, aber — nur teilweise.
Einige Farbstoffe sensibilisierten die Schicht für die gewünschte Farbe,
bei andern war keine Wirkung zu verspüren: Fs musste also noch etwas
sein, was die Wirkung beeinflusste, und man kam nun zu dem Satz,
dass der Farbstoff ausser der optischen Absorption noch chemisch wir-
ken müsse, d. h. dass er freies Jod, Brom oder Chlor chemisch
binden müsse; wenn dies nicht der Fall ist, muss ein chemischer Sensi-
bilisator, wie Silbernitrat, Ammoniak u. dergl. zugegen sein.
Dennoch sind nicht alle Farbstoffe in gleicher Weise gut verwend-
bar, und das hängt augenscheinlich mit der Thatsache zusammen,' dass
der betreffende Farbstoff nicht blos mechanisch in der Schicht liegt, wo
er überhaupt wirkungslos ist, sondern, dass derselbe mit dem Bromsilber-
korn eine chemische Verbindung eingehen muss. Kommt eine solche
nicht zu Stande, so wirkt der Farbstoff durchaus nicht sensibilisierend,
sondern erscheint in geringerer Menge indifferent, in grösserer schädigt
er die Allgemeinempfindlichkeit, indem er wie eine farbige Scheibe
wirkt.
Aus diesem Grunde kann die optische Sensibilisierung durch Farb-
stoffe mit Collodion- sowohl als auch mit Gelatineplatten, und mit Jod-,
Brom- oder Chlorsilberschichten vorgenommen werden. Hieraus' resul-
tiert nun zunächst wieder die Thatsache, dass ein und derselbe Farbstoff
bei Bromsilber eine etwas verschiedene Wirkung als wie beim Chlorsilber
äussern wird, indem hier die chemische Verbindung doch wohl sehr
ungleich sein kann. Ferner wird eine Gelatineschicht durch zu langes
Baden eine zu grosse Menge Farbstoff absorbieren und dadurch not-
wendigerweise die Gesammtempfindlichkeit heruntergedrückt werden.
Das gefärbte Bromsilber wird also für diejenigen farbigen Licht-
strahlen empfindlich gemacht, welche der betreffende Farbstoff absor-
biert. Man kann daher mittels des Spektroscop annähernd bestimmen,
für welche Lichtstrahlen eine bestimmte Farbe sensibilisiert. Dies lässt
sich nun am einfachsten an einem Beispiel erklären.
Der vielfach angewendete Farbstoff Eosin zeigt in seiner Lösung
bei spektroscopischen Untersuchungen eine Absorption eines Teiles des
Grün und Blau und macht daher das Bromsilber ziemlich stark grün-
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