Süddeutsche Photographen-Zeitung: Monatsschrift für Photographie u. verwandte Reproductionsarten — München, II. Jahrgang (April 1895 - März 1896).1895

Page: 349
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besonders interessiert sich mein älterer Freund, der Kandidat des höheren
Schulamtes Hermann Marbach, in späteren Jahren Professor der
Physik an der Universität und Prorektor an der Heiligen-Geist-Schule
in Breslau, für das von mir angeregte Thema. Am andern Morgen
erzähle ich nach beendetem Colleg unserm allverehrten Professor
Dr. Duflos — dieser und sein Freund, Professor Dr. Bunsen sprechen
oft und gern noch von ihrem Meister Berzelius — von unserer
gestrigen Abendunterhaltung; auch Marbach, der oft in die Uni-
versitäts-Apotheke kommt, wo das chemische Colleg gelesen wird, hat
sich eingefunden. Wir sitzen in Hilflos’ Privatzimmer und die gestrige
Besprechung setzt sich fort. Der Meister kann auch nicht viel weitere
Auskunft geben, regt uns, seine beiden Schüler, aber um so ernstlicher
an, der Sache näher zu treten, ermächtigt uns auch auf die liebens-
würdigste Weise, alle dazu benötigten Chemikalien aus der Universitäts-
Apotheke zu entnehmen. Dagegen versprechen wir, über unsere weiteren
Erfahrungen dann und wann zu berichten.
Sonntags danach gehen wir beide, Marbach und ich, daran, unsern
photographischen Apparat zu konstruieren. Verschiedenes Mögliche und
Unmögliche wird zu diesem Zweck zusammengetragen. Marbachs
Camera obscura mit Spiegel erweist sich uns irrigerweise als nicht ver-
wendbar und so bringe ich denn bis zum nächsten Sonntage eine Camera
mit Verlängerungs-Einschub aus Cigarrenkisten fertig, an der ein in-
zwischen von Marbach aus einer Garnknäueltrommel mit einer einge-
setzten einfachen unachromatischen Biconvex-Linse konstruiertes Objektiv,
ohne Blenden, befestigt wird. Als Mattscheibe fungiert ein mit Paus-
papier überspanntes Rähmchen, an dessen Stelle dann zum Zwecke der
Belichtung ein zufällig vorhandenes Haches Schiebekästchen, von einem
Kinderspielzeug („Tuschkasten“) herrührend, als Kassette eingesetzt wird.
Dieses ist, seiner hervorragenden Wichtigkeit halber, weil es einmal vor-
handen, für das Format der Camera massgebend gewesen. Ein alter
Cylinderhut meines Vaters kommt mir vortrefflich zu statten, den Auszug
der Camera lichtdicht und doch leicht beweglich in dem damit ausge-
fütterten Vorderteil der Camera einzusetzen. Als der Hut bald danach
doch nochmals aufgesetzt werden soll, bringe ich denselben bereitwilligst
in seiner neuen veredelten Form triumphierend zum Vorschein. (Tableau.)
Die folgenden Wochen bringen uns nicht vorwärts, Marbach
hat sich unterdessen verliebt und verlobt. In freundschaftlicher Be-
sprechung wird Arbeitsteilung vereinbart: Marbach übernimmt die
Fortsetzung seines Brautstandes, igh die der photographischen Studien.
Auf diese Weise ist dann [eder von uns in seiner Weise vorwärts <re-
* fr
kommen.
Bald wird mir klar, dass ohne Blende ein scharfes Bild unmöglich.
Nichts leichter als das, eine Vorderblende (schau, schau, halb unbewusst
das richtige Mittel) hilft über diese Schwierigkeit hinweg. Jetzt sind
die Bilder beim Einstellen erträglich, und nun ad rem!
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