Wieser, Franz von [Editor]
Die Weltkarte des Albertin de Virga aus dem Anfange des XV. Jahrhunderts in der Sammlung Figdor in Wien — Innsbruck, 1912

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0.5
1 cm
facsimile
err Dr. Albert Figdor in Wien hat für seine weltbekannte Sammlung vor kurzem
aus Sebenico eine handschriftliche Weltkarte angeboten bekommen. Dieselbe
wurde mir zur Bestimmung vorgelegt, und da ich konstatieren konnte, dass es
sich um ein bisher völlig unbekanntes und für die Geschichte der Kartographie
in mehrfacher Hinsicht bedeutsames Denkmal handelt, brachte Dr. Figdor die Karte in seinen
Besitz, und überliess mir dieselbe gütigst zur wissenschaftlichen Bearbeitung und Veröffentlichung.
Die Karte hat eine Länge von 696 cm und eine mittlere Breite von 44 cm. Sie ist
auf eine ganze Pergamenthaut gezeichnet und im wesentlichen gut erhalten. Einige Flecken
sowie die Einrisse am Rande alterieren das Bild nicht erheblich. Am störendsten wirken die
Büge und Knitterungen des Pergaments, welche nicht selten die Entzifferung der Legenden
erschweren. Das Pergamentblatt ist zu mehr als zwei Dritteilen von der kreisförmigen Weltkarte
mit vier orientalisierenden Eckverzierungen ausgefüllt. An der Halsseite des Blattes sind drei
kalendarische Darstellungen eingetragen: in der Mitte ein kreisförmiger Kalender, zu beiden
Seiten quadratische Tabellen mit darüber stehenden Legenden. Die rechtsseitige Tabelle ist eine
Mondtafel, die linksseitige eine Tafel der Ostertermine. Das ganze Bild wird von einem ein-
fachen Bandstreifen begrenzt, dessen Enden sich im Halsteile des Pergamentblattes kreuzen.
In den Zwickeln zwischen den Kalendertafeln und den Band-Enden sind rosettenartige Ornamente
angebracht, welche mit den vier Eckornamenten neben der Radkarte stilistisch übereinstimmen.
In dem schmalen Streifen, welcher die drei kalendarischen Darstellungen von
der Weltkarte trennt, findet sich folgende Inschrift: „A 141:• albirtin■ diuirga me fezit. in.
uinexial‘. Die vierte Ziffer der Jahreszahl ist leider nicht mehr erhalten infolge des Umstandes,
dass gerade hier eine Bugfalte, welche von einer früheren Zusammenlegung der Karte herrührt,
quer durch die Schrift geht. Da wir annehmen müssen, dass einerseits die Ziffern der Jahres-
zahl symmetrisch gestellt waren, und dass andererseits der noch erhaltene Punkt nach der Jahres-
zahl von der letzten Ziffer ungefähr gleichweit abstand als der nächste Punkt von „albirtin“,
so kann die letzte Ziffer nur an der linken Bruchlinie der Bugfalte gestanden sein, wo sie
durch das oft wiederholte Zusammenlegen und Auseinanderfalten der Karte vollständig zerstört
wurde. Es kann daher die letzte Ziffer nur eine ganz schmale, wesentlich im Sinne der Bugfalte
verlaufende Linie gewesen sein, das heisst ein Einser oder ein ganz schmaler Fünfer, wie er
gleich oben in der Zahlenreihe der Mondtafel gezeichnet ist.
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