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Darmstadt, der Odenwald, die Bergstrasse und die Main-Neckar-Eisenbahn: ein Handbuch für Reisende — Darmstadt, 1846

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DER ODENWALD,

waldes sind Getraide, Kartoffeln, Obst, Vieh und Holz;
die Gewerbe nehmen immer mehr zu. Man findet Tuch-
webereien, Hammerwerke, Potaschesiedereicn, Papierfa-
briken. Dass sonst mehr Weinbau getrieben wurde, ist
bereits gesagt. Ucbcr die Land- u. Forstwirtschaft des
Odenwaldes hat Jäger eine gekrönte Preisschrift her-
ausgegeben. Der hessische Odenwälder ist kräftig, hoch
gewachsen und von sehr starkem Knochenbau. Nur in den
ärmsten Dorfschaften sind die Bewohner kleiner und
schwächlicher, weil schlechte Nahrung und zu frühe ange-
strengte Arbeit sie verdirbt. Die ehemalige National-
tracht des Odenwälders verschwindet zwar langsam,
doch nach und nach desto sicherer. Seine Lebensweise
ist nach Stand und Vermögen sehr verschieden. Die
bemittelteren Bauern lieben nahrhafte Kost, aber nicht
viel Fleisch. Nur bei besonderen Festen, z. B. Hoch-
zeiten, Kindtaufen und Kirchweihen wird Fleisch, Bra-
ten, Schinken in Menge genossen. Indessen ist der
Aufwand, den man heut zu Tage bei solchen Gelegen-
heiten macht, nicht mit dem noch vor 5p Jahren übli-
chen zu vergleichen. So wurden damals in einzelnen
Dörfern der Herrschaft Breuberg Hochzeiten in reichen
Bauernfamilien „angerichtet“, deren Schmauserei einige
Hundert Gulden kostete; bei der Trauung musste eine
Musikbande mit zur Kirche ziehen, von der Empor-
bühne herab „aufspielen“ und die Festlichkeit währte
bisweilen 3 bis 4 Tage lang ohne Unterbrechung. Auf
Kirchweihen (Kerwen) geht es noch jetzt hoch her;
die Bursche verschwenden viel Geld, gerathen in Rau-
fereien und blutige Händel, wobei Todschlag nicht un-
erhört ist} die Mädchen spüren aber öfters üble Folgen
von diesen Kirchweihen, wovon sic doch nachher eini-
gen Nutzen ziehen. Nach alter Sitte geht in Gesell-
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