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Strauss, Walter
Von eisernen Pferden und Pfaden: Lebensbilder aus dem Reiche der Lokomotive — Hannover, 1924

Page: [55]
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DAS EISERNE PFERD, WEN ES ZIEHEN MUSS.

teil, several pieces of cannon were planted opposite the Castle, which were fired at inter-
vals. About eleven the hills on each side of the railroad were covered witli people of the
first rank, and great anxiety was evinced for the appearance of the train of carriages. At
a quarter past twelve the cannon announced the train in sight; all the bands struck up and
played suitable pieces. We never experienced so fme a sight when the carriages came up; the
first was filled with ladies and gentlemen from Whitby, and every carriage had banners with
the design of the railway neatly executed.“

So wie liier noch längere Zeit bis zum Juni 1847 das lebendige Pferd aus Fleisch und
Blut der Beherrscher des eisernen Pfades blieb, verkehrten auch noch nach Eröffnung der
ersten deutschen Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth im Jahre 1835 (Bild 92) daselbst
zwischen je drei mit Lokomotiven beförderten Zügen acht von Pferden gezogene, deren letzte
Überreste in den Pferde-Straßenbahnen wohl noch manchem Leser in Erinnerung sein werden.
Was aber für das eiserne Pferd die Urahnen der ,,Puffing Billy“ (Bild 93), ,,Agenoria“ (Bild 94),
„Sans Pareil“ (Bild 95) und „Rocket“ (Bild 96) im South Kensington Museum zu London,
das bedeutet für den Eisenbahnzug und somit für die ursprünglichste Form der Eisenbahn
überhaupt der Original-Personenwagen der ersten auf dem europäischen Festlande zwischen
Linz und Budweis seit 1828 verkehrenden Pferde-Eisenbahn (Bild 213), der in dem Kuppel-
raum des Wiener Eisenbahnmuseums einen wohlverdienten Ehrenplatz erhalten hat. Deutlich
ist hier wie vorher in dem historischen Gemälde der Stockton und Darlington Rly. von Bild 91
noch der Charakter der Postkutsche zu erkennen, die in Ermangelung der damals noch nicht
vorhandenen Drehscheiben in vollständig symetrischer Anordnung auch auf der Rückseite ein
„Führerhaus“ besaß und nach Umhängen des Deichselgestells sofort in der entgegengesetzten
Richtung fahrbereit war, während das im Berliner Verkehrs- und Baumuseum aufbewahrte
Original des offenen Personenwagens 111. Klasse der Breslau-Freiburger Eisenbahn aus dem
Jahre 1843 (Abb. 214) bereits einen großen Entwicklungsfortschritt aufweist und keinerlei
Anklänge an die Postkutsche mehr zeigt.
Wie aber trotzdem die Poesie nicht verloren ging und auch in jeder weiteren Entwicklungs-
stufe des Eisenbahnwesens nie untergehen wird, zeigt der fast rührende Gegensatz des
Eröffnungszuges der Nürnberg-Fürther Eisenbahn vom 7. Dezember 1835 (Bild 215) zu dein
Hofzug des ehemaligen Deutschen Kaisers (Bild 216), von dem ein Salonwagen ebenfalls im
Berliner Verkehrs- und Baumuseum Aufstellung gefunden hat.

„Kreuz Gottes! Da hängen ja ganze Häuser dran!“
könnte man mit des kleinen Peter Roseggers Paten erschrocken ausrufen
fortfahren hören:

und diesen selbst

„Und wahrhaftig, wenn wir sonst gedacht hätten, an das Lokomotiv wären ein paar Steirer-
wäglein gespannt, auf denen die Reisenden sitzen konnten, sahen wir nun einen ganzen Markt-
flecken mit vielen Fenstern heranrollen, und zu den Fenstern schauten lebendige Menschenköpfe
heraus, und schrecklich schnell ging’s, und ein solches Brausen war, daß einem der Verstand
still stand.“

Wer aber in unseren Tagen einst unter Tausenden von Mitmenschen mit wachsender
Spannung der Ankunft des Zeppelinluftschiffes harrend, dieses plötzlich sonnenbeschienen unter
dem Jubel der Menge aus den Wolken hervorrauschen sah, wird wohl am anschaulichsten den
Bericht des Stuttgarter Morgenblattes aus den Geburtstagen der deutschen Eisenbahn nach-
empfinden, wo es heißt:
„Es war eine unermeßliche Menschenmenge vorhanden, und sie jauchzte und jubelte
zum Teil den Vorüberfahrenden zu; in der Tat, es gewährt der Anblick des vorüberdrängenden
Wagenzuges fast ein größeres Vergnügen als das Selbstfahren. Wenigstens drängt sich uns das
Gefühl der gewaltigen, wundersam wirkenden Kraft bei jenem Anblick weit mehr auf; es
imponiert, wenn man den Wagenzug mit seinen 200 Personen wie von selbst, wenn auch nicht

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