Hinweis: Your session has expired. A new one has started.

Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 47
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/48-A-1089-03/0057
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
Bremsen.

47

eine allgemeine Revision der in Gebrauch
stehenden Vorschriften auf allen Bahnverwal-
tungen angeordnet und wurden mit Erlaß vom
25. Mai 1907 die neuen Bestimmungen be-
züglich der Handbremsen veröffentlicht.
In England haben nach dem Gesetz vom
30. August 1889 die Eisenbahnen bei allen
personenführenden Zügen durchgehende B.
innerhalb eines vom Handelsamt festzusetzenden
Zeitraums einzuführen, die folgende Bedin-
gungen erfüllen müssen:
1. Die B. müssen sofort in Tätigkeit treten
können und derart eingerichtet sein, daß sie
vom Maschinenführer und vom Zugspersonal
gehandhabt werden können.
2. Die B. müssen selbsttätig sein, so daß
diese in Funktion treten, wenn der Zusammen-
hang des Zugs unterbrochen sein sollte.
3. Die B. muß an jedem Fahrzeuge des
Zugs angebracht werden können, gleichviel ob
es ein Personenwagen ist oder nicht.
4. Die B. muß im täglichen Verkehr in
regelmäßiger Tätigkeit sein.
5. Die Materialien der Bremsvorrichtungen
müssen von dauerhafter Art sein und müssen
letztere leicht in Stand erhalten werden
können.
Das Gesetz ist nur mehr für eine geringe
Zahl von Bahnen von praktischer Bedeutung,
da die große Mehrzahl der Bahnen aus eigenem
Antiieb schon durchgehende und selbsttätige
B. bei ihren Zügen eingeführt hat.
Im Ausnahmefall wird für gemischte Züge,
unter gewissen Bedingungen auch für einzelne
nicht für Personenbeförderung bestimmte
Wagen mit Genehmigung des Handelsamts
von der Anwendung durchgehender B. abge-
sehen.
In Nordamerika müssen (entsprechend
der im Jahre 1901 von der American Railway
Association gefaßten Resolution) die Personen-
sowie alle im Zwischenstaatenverkehr zur Ver-
wendung kommenden Güterwagen mit durch-
gehenden B. versehen sein. Empfohlen wurde
die Westinghouse-Bremse.
Vergleichende Versuche mit durch-
gehenden B. Der Einführung durchgehender
B. gingen vielfach bei den betreffenden Ver-
waltungen ausgedehnte praktische Versuche
zur Erprobung des Wertes der verschiedenen
Bremssysteme voraus. In Preußen wurden
derartige Versuche schon im Jahre 1877 bei
Guntershausen begonnen, ohne daß man hierbei
zu einem endgültigen Beschluß über die Wahl
eines bestimmten Systems gelangt wäre.
Nachdem die verschiedenen Systeme mehrere
Jahre hindurch im Betrieb Verwendung ge-

funden hatten, wurden die Guntershausener
Versuche im Sommer 1881 auf der Strecke
Halensee-Dreilinden bei Berlin nochmals wieder-
holt, und alsdann sämtliche in Betracht
kommenden Systeme im regelmäßigen Betrieb
auf der Strecke Berlin-Breslau in der Zeit vom
15. Oktober 1881 bis 1. April 1882 bei Schnell-
lind Kurierzügen in Benutzung genommen.
Es konkurrierten hierbei:
1. System Heberlein (selbsttätige Friktions-
bremse) ;
2. System Westinghouse (selbsttätige Luft-
druckbremse) ;
3. System Carpenter (selbsttätige Luftdruck-
bremse);
4. System Steel (selbsttätige Luftdruck-
bremse) ;
5. System Sanders (selbsttätige Vakuum-
bremse) ;
6. System Smith-Hardy (durchgehende,
nicht selbsttätige Vakuumbremse);
7. die gewöhnliche Handspindelbremse.
Nach Beendigung der Versuche und Zu-
sammenstellung der Versuchsergebnisse traten
auf Veranlassung des Ministers der öffent-
lichen Arbeiten Vertreter aller preußischen
Staatseisenbahndirektionen zur Beratung zu-
sammen, um wegen des zu wählenden Systems
Vorschläge zu machen. Dieser Versammlung
waren außer anderen auch folgende Vorfragen
zur Beantwortung vorgelegt: Ob durch Ein-
führung einer durchgehenden, d. h. einer
solchen B., die es dem Lokomotivführer ge-
stattet, sämtliche B. des Zugs, also auch die
der Wagen von seinem Stand aus in
Tätigkeit zu setzen, eine erhöhte Sicherheit
des Betriebs zu erzielen sei? Diese Frage
ist von den Vertretern sämtlicher Eisenbahn-
direktionen bejaht worden. Die schnelle Hand-
habung sämtlicher B. des Zugs durch den
Lokomotivführer lasse die durchgehenden B.,
ganz abgesehen davon, ob sie selbsttätig wirken
oder nicht, als besonders wertvoll erscheinen;
hierin liege ihr Hauptvorzug vor den Hand-
bremsen. Ferner lag die Frage vor: Welche
Systeme durchgehender B. erscheinen im
großen durchführbar, ohne daß man Gefahr
läuft, von der Durchführung späterhin wieder
Abstand nehmen zu müssen? Die Versammlung
hat diese Frage dahin beantwortet, daß sämt-
liche Systeme im großen als durchführbar an-
zusehen seien, daß sie aber in bezug auf
Sicherheit und Schnelligkeit ihrer Wirkung,
auf ihre Unterhaltung und Bedienung, auf die
größere oder geringere Anzahl von Versagern
u. s. w. nicht gleichwertig seien, und daß vor
allem ein einheitliches, möglichst einfaches
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list