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Dietz, Alexander
Frankfurter Handelsgeschichte / von Alexander Dietz (Erster Band) — Frankfurt am Main, 1910

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durch eine Eigenschaft viel näher stehen, als manche gepriesene, wissen-
schaftliche Arbeit der Neuzeit: durch die Wärme der Empfindung und die
Freude an dem Stoff. Der richtige Geschichtsforscher muß nicht nur ein
scharfer Verstandesmensch, sondern auch ein warm empfindender Künstler sein,
wenn er vergangene Zeiten und Menschen mit ihrem Glück und ihren Schmerzen
wieder hervorzaubern sollt Hierzu genügen nicht die kalten Zahlen und die
nackten Tatsachen, auch nicht die gepriesenen wissenschaftlichen Forscher-
methoden, welche von einem Geschlecht zum anderen wechseln: zu dem Lichte
der Wissenschaft muß sich auch die Wärme der Empfindung gesellen.
Wie sehr hing das Herz des alten Frankfurters an seiner stolzen Vater-
stadt und ihrer Unabhängigkeit! und wie gründlich hat sich dies geändert!
Der heutzutage nach der Provinzialstadt Frankfurt berufene fremde Historiker
kann nicht mehr empfinden, was die Brust der dahingegangenen freien Biirger-
geschlechter erfüllt hat. Die moderne Riesenstadt mit ihrer Fabrikbevölkerung
ist auch nicht mehr danach angetan und der Reiz der Selbständigkeit und
Eigenart des kleinen Staatsgebildes ist dem großzügigen Deutschen fremd, ja
geradezu lächerlich geworden.
Aus denselben Gründen, welche den seligen Archivar Kriegk bestimmt
haben, in der Vorrede zu seinem Werke über das Deutsche Bürgertum irn
Mittelalter seine persönlichen Beziehungen zu Frankfurt zu schildern, möchte auch
ich dies mit einigen Worten tun. Meine Familie ist im Jahre 1652 durch die Verhei-
ratung des Tuchhändlers Hans Georg Dietz aus Worms mit Anna Sibylla Weisel,
einer Tochter des Senators Johann Weisel aus seiner Ehe mit Anna Margarethe
Weitz, nach Frankfurt gekommen und hat ihr Bürgerrecht als ein kostbares Gut bis
zum heutigen Tag ununterbrochen beibehalten, obwohl eine Reihe ihrer Mitglieder
als Beamte, Gelehrte und Kaufleute in den benachbarten hessischen Landen und
in Holland gelebt haben.
In dieser langen Zeit lassen sich bei ihnen in zunehmendem Maße künst-
lerische und gelehrte Neigungen beobachten, bis schließlich mein Vater sich
ganz der Künstlerlaufbahn als Musiker gewidmet hat. Unter den Arbeiten aus
ihrer Feder befinden sich auch zwei, welche auf Frankfurts Geschichte Bezug
haben.
Mein Urgroßvater, der Advokat Dr. Johann Nikolaus Hektor Dietz, welcher
am 1. Januar 1811 das Amt als Erster Beigeordneter seiner Vaterstadt antreten
sollte, wurde einen Tag vorher zur ewigen Ruhe bestattet. Die fortgesetzten
Aufregungen als Verleger des Frankfurter Journals hatten frühzeitig seine
Lebenskraft erschöpft.
Mein Großvater, welcher durch das Schicksal als Kaufmann nach Mar-
burg a. d. Lahn verschlagen worden war, veranlaßte seine drei Söhne, sich


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