Dietz, Alexander
Frankfurter Handelsgeschichte / von Alexander Dietz (Erster Band) — Frankfurt am Main, 1910

Page: 4
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Forscher, welche ein römisches Frankfurt behauptet hatten, schließlich doch Recht
behalten und andere vorrömische Funde lassen mit Bestimmtheit erkennen, daß
sich schon vor den römischen Eroberern in vorchristlicher Zeit auf dem Stadt-
boden Ansiedelungen von Menschen befunden haben, wenngleich diese nicht, wie
der Chronist von Lersner meint, von den Trojanern ausgegangen sind.
Ehe weitere Funde mehr Klarheit bringen, läßt sich schwer bestimmen, welcher
Anteil der Ansiedelung auf dem Markthügel an dem wirtschaftlichen Leben der mili-
tärischen und bürgerlichen Bevölkerung der römischen Taunusprovinz zukommt.
In militärischer Hinsicht haben die an den inneren Verbindungsstraßen liegenden
Kastelle gegenüber der Saalburg und anderen großen Grenzfestungen nur eine
untergeordnete Bedeutung besessen und seit Hadrian war die bei weitem wichtigste
bürgerliche Niederlassung und Hauptstadt der Provinz, welche alle wirtschaftlichen
Kräfte vereinigte, Nida bei Heddernheim. Die bisher dort aufgedeckten 8 Töpfer-
öfen geben uns Kunde von der blühenden gewerblichen Tätigkeit der in dieser
Römerstadt ansässigen Töpferkolonie, welche die ganze Gegend mit Krügen,
Töpfen, Näpfen und anderen Erzeugnissen versah, wie sie in den Museen zu
Frankfurt, Darmstadt und Mainz zu sehen sind. Gleich Nida befanden sich auch
die kleineren bürgerlichen Anlagen und die Villen möglichst in der Nähe des Flüß-
chens Nidda, wie Bonames, Vilbel mit seinen Steinbrüchen und Nied mit seinen
großen Ziegeleien. Unserer Stadt und dem Main kam am nächsten eine bei der
Günthersburg gelegene Villa mit Fischteich. Dagegen werden die durch ver-
schiedene Flußarme gebildeten, von sumpfigem Waldland umgebenen Maininseln,
von welchen die größte den Markthügel bildete, zunächst nur für einen reichlich
lohnenden Fischfang und wegen der zwei Furten als Uebergangsstelle für
Menschen und Tiere und als Halteplatz von Schiffen und Fährnachen in Betracht ge-
kommen sein. Die Lage von Frankfurt sollte erst in viel späterer Zeit zur Geltung
kommen.
Nach der Vertreibung der Römer, welche zum letzten Male im Jahre 374 im
Taunuslande genannt werden, und nach der dauernden Besetzung des Landes durch
die Franken gegen 500 sind Jahrhunderte verstrichen, bis die militärische Sicherung,
die Abgrenzung, Besiedelung und Urbarmachung des Landes, die Errichtung von
Verwaltungs- und Gerichtsbezirken, die Erbauung von Kirchen, Königshöfen und
Kastellen zu einem gewissen Abschluß gelangt sind. In dieser langen Zeit war
das Dasein des Germanen ein rein ländliches und nur auf den Trümmern der
alten Römerstädte wie Straßburg, Worms, Mainz, Köln, welche jetzt Bischofssitze
waren, bestanden stadtähnliche Anlagen.
Die zuletzt ganz entarteten Merovinger haben anscheinend der durch das
untere Mainland gebildeten Provinz, dem sogenannten rheinischen Franzien,
keine wesentliche Förderung zuteil werden lassen. Wir hören nur von mehreren
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