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Dietz, Alexander
Frankfurter Handelsgeschichte / von Alexander Dietz (Erster Band) — Frankfurt am Main, 1910

Page: 132
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ergeben das Gegenteil, ln Verbindung mit den
wertvollen Nachrichten der inzwischen gedruck-
ten Urkundeninventare und den unerschöpflichen
Schöffengerichtsprotokollen führen sie zu dem
bestimmten Ergebnis, daß Frankfurt schon im
Mittelalter nicht nur ein großer Meßplatz, sondern
auch außer der Meßzeit eine Handelsstadt mit
einer der Bevölkerung entsprechenden ansehn-
lichen Kaufmannschaft gewesen ist. Diese Tat-
sache ergibt sich fast allein aus der Bedeu-
tung Frankfurts als natürlicher Hauptstadt der
Wetterau.
Die Verkennung einer für das geschichtliche
Ansehen unserer Vaterstadt so wichtigen Tat-
sache findet aber ihre Erklärung darin, daß die-
jenigen Bürger, welche Handel trieben, in den
Quellen nicht als Kaufleute bezeichnet werden,
daß sie ferner nach altem, schier unausrottbarem
Vorurteil nicht unter den städtischen Patriziern
gesucht worden sind und daß schließlich ihre
Handelstätigkeit in dem gewaltigen Meßverkehr
fast spurlos verschwunden ist. Gerade der eifrige
Vorkämpfer des städtischen Junkertums, der
Geschichtsschreiber von Fichard, ist es, welcher,
man möchte sagen, mit schmerzlichem Bedauern in seiner Geschlechtergeschichte
immer wieder offen und ehrlich bekennt, daß die Mitglieder der vornehmsten
Familien sich im Mittelalter unbedenklich mit dem Handel befaßt und ihn mit
ihrem Stande wohl vereinbar gehalten haben. Erst seit der Mitte des 16. Jahr-
hunderts begann sich ein anderer Ehrbegriff geltend zu machen, welcher dann
zu Unrecht auch auf die früheren Zeiten mit gesünderen Anschauungen über-
tragen worden ist. Dasjenige, was man bei den Patriziern von Augsburg, Nürn-
berg, Cöln, Lübeck stets rühmend anerkannt hat, leugnete man ebenso beharrlich
für das kleinere Frankfurt und machte aus seinen weniger hervortretenden
Kaufleuten lieber ritterbürtige Junker. Aber wie viele Familien der „altadeligen“
Gesellschaft des Hauses Limpurg sind aus den Kreisen der Handwerker her-
vorgegangen und nur durch ihre kaufmännischen Erfolge allmählich zu dem
Geschlechterstand emporgestiegen 1
Nachdem Kaiser Friedrich II. in der bekannten Goslarer Urkunde vom
Jahr 1219 den Grundsatz anerkannt hatte, daß Stadtluft frei mache, mußte der
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