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Dietz, Alexander
Frankfurter Handelsgeschichte / von Alexander Dietz (Erster Band) — Frankfurt am Main, 1910

Page: 310
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ihm auf die sich selbständig machende Stadt durch Schenkung, Verpfändung
oder Verkauf übertragen worden waren, und neueren, vom Kaiser der Stadt
bewilligten oder der eigenen Finanzhoheit entsprungenen, eigentlichen Stadt-
zöllen zu unterscheiden.*) Als Grundlagen dieser Finanzhoheit dienen nament-
lich die wiederholt bestätigten Privilegien des Kaisers Ludwig des Bayern von
1329 und 1333,**) wonach die Stadt ermächtigt wurde, die zu Frankfurt oder in
der Nähe verpfändeten Reichsgüter, wie Zölle, Wage, Juden, Ungeld, Bornheimer
Gericht, Schultheißenamt oder was es sei, einzulösen und für den ihr gestatteten
Erweiterungsbau der Stadt ihr Ungeld, Mahlgeld und weiteren Gefälle zu ver-
mehren.
Abgesehen von ihrem Ursprünge unterscheiden sich die Frankfurter Zölle
nach folgenden weiteren Gesichtspunkten: Da es außerhalb der Handelsfreiheit
der Wochenmärkte und der Reichsmessen keinen Fremdhandel gab, waren die
meisten ursprünglich Markt- und Meßzölle, ferner mit Rücksicht darauf, daß
der Bürger grundsätzlich zollfrei war, nicht Bürger- sondern Fremdenzölle
und schließlich nach dem Wege, auf welchem die Güter kamen, vorzugsweise
Wasserzölle am Main, nicht Landzölle. Deshalb befand sich auch die älteste
und wichtigste Zollstätte mit der Rentkiste (Rentamt) am Fahrtor, dem Anlände-
platz der Schiffe und der Wechselstelle des Leinpfades.
Die verschiedenen, anscheinend ganz unzusammenhängend nebeneinander
bestehenden Zölle werden aus folgenden geschichtlichen Gesichtspunkten
einigermaßen verständlich:
Nach altdeutscher Auffassung wurde jeder Fremde als Feind betrachtet,
welcher mit seiner Person und seinem Gut „sonder Schutz und Friede“ war
und sich aus diesem Zustand der Rechtlosigkeit erst loslösen mußte. Am
längsten hat sich diese barbarische Anschauung bei dem Strandrecht (Grund-
ruhr, Schiffbruchzoll) erhalten, wonach ein fremdes Schiff, welches durch
Strandung den Grund und Boden berührte, anfänglich dem Grundherrn mit
Menschen und Gütern verfallen war, bis es im Jahre 1112 hinsichtlich der
Menschen abgeschafft und 1336 auf dem Main und Rhein hinsichtlich der Güter
durch eine Abgabe ersetzt wurde.***) Die Erlaubnis, zu Wasser und zu Land
in der Fremde zu reisen (transire), zu Schiff die Wasserstraßen mit ihren
*) Dr. Orth, Reichsmessen, 4., 5., 9. und 10. Abschnitt, S. 141—242, 278—323. — J. A.
Moritz, Staatsverfassung, Th. II, S. 360—404. — Die Zollurkunden im Böhmerschen Urkunden-
buch und im Privilegienbuch. — Christoph Sigismund Müller, Kaiserliche Resolutionen,
2. Abt., 1777, enthaltend die verbesserte Visitationsordnung von 1726. — Dr. Karl Hummel,
die Mainzölle von Wertheim bis Mainz, Westdeutsche Zeitschrift, Jahrgang XI, 1892, S. 109
bis 145, S. 320—398. — Dr. Bothe, Beiträge, 29—34.
**) U.-Bch. II., No. 350 und No. 467.
***) Orth, S. 651—652. — U.-Bch. II., No. 563.
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