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Dietz, Alexander
Frankfurter Handelsgeschichte / von Alexander Dietz (Zweiter Band) — Frankfurt am Main, 1921

Page: 2
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ganz frei machen können? Das Zeitalter der Reformation wird aber nicht nur
durch seine große Frömmigkeit, sondern zugleich auch durch seinen fanatischen
Glaubenseifer und seine, bis zur Grausamkeit gesteigerte Unduldsamkeit gekenn-
zeichnet. Erst einige Monate waren damals verstrichen, daß Calvin zu Genf
den durchreisenden Arzt Michael Servet wegen seiner Ableugnung der Drei-
einigkeit Gottes auf dem Scheiterhaufen hatte verbrennen lassen.
In Frankfurt waren die Vorbedingungen für eine besonders freundliche Auf-
nahme der Juden und Reformierten insofern gegeben, als man durch die zwei
großen Reichsmessen von Alters her daran gewöhnt war, den Fremden in
geschäftlicher und persönlicher Hinsicht jede erdenkliche Freiheit zu gewähren,
und als man bei der bedrohlichen städtischen Finanzlage die größten An-
strengungen machte, neue Steuerzahler heranzuziehen.
Während die Bedeutung -der belgisch-niederländischen Einwanderung hin-
reichend beachtet, ja vielfach überschätzt worden ist, kann man das Gegenteil
von der ebenso wichtigen jüdischen Masseneinwanderung sagen. Die meisten
Juden, welche seit einem halben Jahrhundert aus Nürnberg, Nördlingen, Ulm,
Augsburg, Mainz, Cöln und anderen Städten in Franken, Schwaben und den
Rheingegenden vertrieben worden waren, sammelten sich allmählich in unserer
Stadt. Wie ich in dem von mir herausgegebenen Stammbuch der Frankfurter
Juden nachgewiesen habe,*) sind dies die Stammväter der großen jüdischen
Familien Bonn, Goldschmidt, Haas, Kann, Ochs, Oppenheimer, Rothschild,
Rindskopf, Schiff, Stern und mancher anderer gewesen. Als im Jahr 1462 die
Juden ihre alten Wohnsitze am Dom verlassen und die ihnen angewiesene
besondere Gasse hinter dem Predigerkloster beziehen mußten, genügten für
50 Menschen sechs Wohnhäuser. Im Jahr 1520 lebten in 28 Häusern etwa
250 Menschen, 1556 in 60 Häusern 550, 1580 in 120 Häusern 1200. Wenngleich
sich die Zahl der Häuser bis 1610 wegen Platzmangel nur auf 195 vermehren
konnte, stieg die Bevölkerung auf etwa 2700 Seelen, mithin die Zahl der auf
jedes Haus kommenden Menschen von 10 auf 14. Womit haben die Bewohner
dieser großen jüdischen Sondergemeinde sich ernährt und welchen Anteil haben
sie an dem kaufmännischen Leben ihrer Zeit genommen? Aus den Gerichts-
büchern ist zu ersehen, daß sie sich nicht ausschließlich dem Geld- und Pfand-
leihgeschäft gewidmet, sondern bereits am Ende des Mittelalters, wo es die
Verhältnisse nur irgend gestatteten, auch an dem Warenhandel beteiligt haben.
So betrieb Salmann Sack von Nürnberg um 1500 einen Kupferhandel und
Beer Buchsbaum von Nürnberg vereinigte sich etwa 1520 mit zwei anderen
Juden zu einer großen Tuchhandelsgesellschaft. Von diesen und anderen Juden
*) Siehe die Einleitung, den vierten Abschnitt, S. 344 ff., und den vierzehnten Ab-
schnitt, S. 430 ff.,
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