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Dietz, Alexander
Frankfurter Handelsgeschichte / von Alexander Dietz (Zweiter Band) — Frankfurt am Main, 1921

Page: 11
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Der Schiffsverkehr am Mainufer unterhalb der Fahrpforte um 1550.

§ 12. Die belgische Masseneinwanderung seit 1554.*)
Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts begannen gerade die größten deutschen
Handelsstädte, wie Augsburg, Ulm, Nürnberg, Straßburg, Cöln, Erfurt und im
Norden Lübeck große Einbuße an ihrer bisherigen Bedeutung zu erleiden. Die
verschiedenartigsten äußeren und inneren Ursachen wirkten hierbei zusammen:
die Erstarkung der Nachbarreiche und der deutschen Territorialstaaten, die Ver-
schiebung der alten Handelswege, die religiöse Entzweiung und Unduldsamkeit,
verunglückte Finanzoperationen usw. Nur bei einigen wenigen Städten wurde
damals der Grundstein zu ihrem großartigen Aufschwung gelegt: bei Frankfurt,
Leipzig, Hamburg und Danzig. Alle vier verdanken diese merkwürdige Aus-
nahmestellung nicht der Tatkraft ihrer eigenen Bürgerschaft, sondern vor-
nehmlich ihrer klugen Haltung bei den furchtbaren Religionsstreitigkeiten und
der freundlichen Aufnahme großer Massen vertriebener Belgier, Franzosen,
Engländer und sonstiger Welschen, welche hierdurch in schwerer Zeit für das
Deutschtum gewonnen wurden. Bei Frankfurt und Hamburg tritt diese Tat-
sache am deutlichsten hervor. Beide können als belgische Kolonialstädte, als
Tochterstädte von Antwerpen bezeichnet werden. Während Hamburg die
Trümmer der hanseatischen Herrschaft in der Nordsee, Danzig diejenigen in
der Ostsee vereinigte, trat Frankfurt durch die Tatkraft seiner belgischen Kauf-
mannschaft die Erbschaft der oberdeutschen und rheinischen Städte an. Die
katholischen Reichsstädte Aachen und Cöln beraubten sich selbst durch die
Austreibung der protestantischen Fremden ihrer besten Kräfte und die großen
protestantischen Reichsstädte verhielten sich im Interesse ihrer eigenen zahl-
reichen Kaufmannschaft gegen die bedrohliche welsche Konkurrenz ablehnend.
*) Besser, Geschichte der Frankfurter Flüchtlingsgemeinden 1554—58, 1906, und Ebrard,
die französisch-reformierte Gemeinde, 1906; ferner die älteren Arbeiten von Lehnemann,
1725, Dr. Scharff im Archiv, N. F. Bd. II, S. 245—317, und Steitz-Dechent 1888; Frankfurter
Religionshandlungen, 4 Teile, 1735 ff. Karl Lamprecht, deutsche Geschichte, Bd. V, Heft 2,
1895, S. 540—607; Blök, Geschichte der Niederlande, Bd. III, 1907.


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