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Dietz, Alexander
Frankfurter Handelsgeschichte / von Alexander Dietz (Zweiter Band) — Frankfurt am Main, 1921

Page: 244
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Der Flachsbau war bei der noch
allgemein üblichen Hausweberei damals
viel ausgebreiteter wie heutzutage. Die
aus dem hessischen Hinterland zugeführ-
ten Mengen — in Butzbach gab es ein
besonderes Gemeindeflachshaus — und
die zu Wasser aus Bamberg kommenden
scheinen jedoch nicht genügt zu haben,
weshalb eine starke Einfuhr des erwähn-
ten Lübecker Flachses stattfand, welcher
zum Teil nach Oberdeutschland, nament-
lich Ulm als Hauptsitz der Leinenindu-
strie, weiterverkauft wurde. Später wur-
den auch braunschweigischer, bielefelder
und holländischer Flachs als I Iandels-
gegenstände erwähnt. Neben den Seiler-
meistern gab es 1792 fünf Flachs- und
Hanfhändler.

Der Hanf für die Seiler und Schuh-
macher kam im Mittelalter fast ausschließ-
lich von Straßburg und anderen Städten
des Unterelsaß, wie BiSchweiler, Buchs-
weiler und Gamsheim, zu deren wichtig-
sten Ausfuhrartikeln er gehörte. Zu den
Messen brachten die Straßburger besondere Hanfpacker mit. Nach dem Dreißig-
jährigen Kriege wurde er in zunehmendem Maße auch in den heutigen badischen
und kurpfälzischen Landen, zuerst im Breisgau, dann bei Baden, Rastatt, Durlach
und Mannheim gezogen und hierher geführt. Die Gewichtsseile zum neuen Frank-
furter Schauspielhaus wurden 1782 in Mannheim bestellt. Man unterschied zwischen
dem ungehechelten Strähl- oder Strähnhanf und dem Spinnhanf oder, nach seiner
Verwendung, zwischen Schuhmacher- und Seilerhanf. Um 1680 verwendeten die
hiesigen Seiler namentlich den Breisgauer Spinnhanf; der Strähl- und Brechhanf
war ihnen verboten. Außerdem wird gelegentlich Bologneser und Piemonteser
Rusen (Reußen-) oder Schleißhanf genannt, welcher als Nebenartikel um 1630 von
den Seidenhändlern von der Hoycken und dem Wollhändler Jost von Overbeck,
um 1770 von dem Farbwarenhändler Philipp Nikolaus Schmidt und nach 1800 auch
von dem Lederhändler Anton Engelhard eingeführt wurde.
Die städtischen Seiler, neben denen es auch Landmeister auf den Dorfschaften
Bornheim (1613) und Oberrad gab, verfertigten Seile, Hanfkordeln, Hanfhalfter,

Frankfurter Juwelier vermutlich
Jakob v. Hensberg. Gemalt 1644
von Jeremias von Wingen.
Original im Darmstädter Museum.


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