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Dietz, Alexander
Frankfurter Handelsgeschichte / von Alexander Dietz (Zweiter Band) — Frankfurt am Main, 1921

Page: 333
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Lager hatte, in der Zeit von 1585 bis etwa 1605 als bedeutendster Federhändler
Hans Krauß genannt. Von den Erben des Hans von Saltza zu Lichtenau hatte
er 1592 700 Rtlr. und ebensoviel von einem Gothaer Käufer zu beanspruchen. Im
Jahre 1614 gab es hier gleichzeitig vier Federhändler; sie fanden reichliche Be-
schäftigung durch die großen Juweliere, welche die Federn zu prachtvollen juwelen-
besetzten Federbüschen verarbeiteten. Das kostbarste Stück unter den Juwelen,
welche die Kinder des verstorbenen Daniel de Briers in der Ostennesse 1635 unter
sich teilten, war ein Federbusch (Agraffe) im Werte von 10 000 Rtlrn. Die zwei
letzten während des Dreißigjährigen Krieges genannten Federschmücker sind
Anstatt Blittershäuser und Lamprecht Gaßner gewesen. Mit der veränderten
Mode kam auch der Federhandel als selbständiger Geschäftszweig wieder in
Hortfall.
7. Als Kopfbedeckung und Kopfschmuck wurden von den vornehmen Frauen
namentlich im 14. Jahrhundert Schleier getragen, welche kistenweise auf die
hiesigen Messen kamen. Als Stoff wird anfänglich nur Leinen, dann auch Seide-
und Baumwolle verwendet worden sein. Seidenschleier und andere netzartige
Gewebe wurden namentlich in Zürich hergestellt. In Deutschland scheint das
Herstellen von leinenen Schleiern in Stadt und Land als Hausindustrie betrieben
Worden zu .sein, und zwar von Frauen. Wenigstens waren es in Frankfurt fast
ausschließlich Frauen, welche sich im 14. und 15. Jahrhundert mit dem Weben,
Waschen und Verkauf der Schleier und anderer Kopfhüllen (hüllen, hollen) be-
schäftigten. Ihre Zahl war jedoch gering. Im Jahre 1357 wird eine Irmel als
Hüllen- und Schleierhändlerin, 1363 ein Hans v. Königstein als Hüllenverkäufer
und 1389 als Schleierverkäufer bezeichnet*).
Nach ihrer Herkunft kann man zwischen den einfachen leinenen oder(fläch-
senen Hessenschleiern, den feineren fränkischen aus Würzburg, Bambeig, 1 lof,
Kulmbach und Nürnberg, wie sie 1542 bei Johann Combder zu finden waten,
den oberrheinischen aus Speyer und Straßburg und den Schweizer Schleiern
aus Zürich und St. Gallen unterscheiden. Die Straßburger müssen in großen
Mengen auf die Frankfurter Messen geführt worden sein. Denn der Zoll-
streit unserer Stadt mit Straßburg vom Jahre 1412 führte den Namen: Die
Schleierfehde.
Um 1550 hatten in den Messen im Hause des Patriziers Bernhard v. Hell
genannt Pfeffer Schleierverkäuferinnen aus Speyer und aus Nürnberg ihre Ver-
kaufsstände. Die Schleier waren teilweise mit goldenen Borten versehen oder
golddurchwirkt wie die Hofer. Im Straßburger Kaufhaus kostete 1624 das
Dutzend allerhand Schleier 10 fl. Bereits damals war ihr Gebrauch stark zurück-
gegangen.
*) Bücher, Mittelalterliche Berufsstatistik, S. 61 und 115.

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