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Dietz, Alexander
Frankfurter Handelsgeschichte / von Alexander Dietz (Zweiter Band) — Frankfurt am Main, 1921

Page: 334
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35. Färbereien und Farbwaren.

Vor der belgischen Einwanderung sind die hiesigen Färbereien von keiner
selbständigen Bedeutung gewesen. Sie bildeten ein den Zwecken der Tuchweberei
dienendes und von ihm abhängiges Gewerbe, welches möglichst in der Nähe des
Wassers betrieben wurde. Die Zahl der Färbereien betrug nicht mehr wie ein
halbes Dutzend; davon befand sich eine, der Färberhof, in Sachsenhausen am
Luprandsborn, zwei weitere in der Neugasse an dem früher als Stadtgraben
dienenden Mainarm, der Antauche, und eine vierte, der Schlüchtershof, nicht weit
davon entfernt am Trierischen Plätzchen. Daneben besaß die Zunft der Woll-
weber ihre eigene Färberei am Main neben der Schmidtstube, das sogenannte
Kumphaus, welches 1430 mit großen Kosten neu gebaut worden war.
Unter den alten Färberfamilien aus der W^oll weberzunft verdienen die v. Stetten
zum Holderbaum (seit 1333), die v. Schönberg (seit 1438) und namentlich die
v. Ostheim genannt Schefferhenne (1390 — 1524) erwähnt zu werden. Im Mittelalter
hat unter ihnen noch keine Arbeitsteilung nach der Farbart: Schwarz, Blau oder
Rot stattgefunden. Erst im Laufe des 16. Jahrhunderts, als mit dem Verfall der
hiesigen Wollweberei das Färberhandwerk sich selbständig machte und nicht nur
von den hiesigen Webern, sondern auch von Fremden beschäftigt wurde, begann
man zwischen Schwarzfärbern, Waid(Blau)färbern und sonstigen Schön- oder Kunst-
färbern zu unterscheiden. Schwarz und Blau sind dabei die beliebtesten, fast aus-
schließlich hergestellten Frankfurter Farben gewesen. Zur Erzeugung haltbarer
schwarzer Farbe wurden seit alten Zeiten wegen ihres Säuregehalts als Beizen
Galläpfel, Alaun, Vitriol und Weinstein, zum Blaufärben der vielgenannte Erfurter
W/aid, dessen Verkauf in das große Kaufhaus der Wollweber in der Neukräm ver-
wiesen und von diesen durch eine Reihe von Verordnungen geregelt war, und zum
Rotfärben der schlesische Krapp, genannt Breslauer Roden, verwendet. Von Farb-
hölzern wird um 1400 vereinzelt das rote Brasilien(Presilien)holz und von sonstigen
Färbemitteln 1494 unter den in Venedig eingekauften Waren der Blumengesellschaft
auchsder Indigo genannt*).
Über den von Claus Scheid zuerst im großen Maßstab betriebenen Frankfurter
Handel mit Waid und anderen Farbstoffen von Thüringen nach den Niederlanden
habe ich bereits im ersten Bande ausführlich berichtet.
Auf die Entwickelung der hiesigen Färberei hatte dieser Handel keinen Einfluß.
Im Gegenteil begann er um dieselbe Zeit wieder einzugehen, als mit dem Einzug
der Belgier für dieses Gewerbe ein ungeahnter Aufschwung eintrat, welcher bis

*) Ordnungen, das Waidmaß betreffend, von 1405, 1424, 1499 und 1529, bei Dr. E. Fromm,
Frankfurts Textilgewerbe, im Archiv 3. Folge, Bd. VI, S. 16, 18, 55, 56, 69, 103—108, 130; Bothe,
Patriziervermögen, S. 117.
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