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Dietz, Alexander
Frankfurter Handelsgeschichte / von Alexander Dietz (Zweiter Band) — Frankfurt am Main, 1921

Page: 335
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in die ersten Jahre des Dreißigjährigen Krieges anhielt. Seit 1554 diente die
Färberei als Hilfsgewerbe der großartigen Seidenindustrie, seit 1588 auch der
gebrauchsfertigen Herstellung der beliebten belgischen Modestoffe Giobgrün, Bom-
basin, Tripp und Bursat.
Bereits im November 1554 bewilligte der Rat den niederländischen Zeugwebein
die Einrichtung eines Farbhauses am Ende der Alten Mainzer Gasse beim Bollwerk
nebst einer Beisteuer von 300 fl., im folgenden Frühjahr einen Waschplatz für
die Färber und die Herstellung einer Mange für die Weber (Witzei S. 146).
Namentlich die aus der westflandrischen Stadt Rüssel (Lille) und deren Um-
gebung stammenden Belgier verpflanzten die dort blühende Färberkunst hieiher.
Bereits unter den ersten Ankömmlingen der Jahre 1554 und 1555 befanden sich
zwei der größten Seidenfärber, Adrian Lernou und Jakob Accart, welche
als die Begründer dieser neuen Industrie bezeichnet werden können und deien Söhne
und Schwiegersöhne ebenfalls das Gewerbe fortsetzten. Diesen beiden folgten von
dort 1559 Blaise de Ron, 1567 Franz de le Boe, der Erbauer des großen Speichers,
1569 Matthias de Mere, 1573 Robert Cambier, 1575 Matthes Chombart, Johann
Bonnet in der blauen Hand, 1587 Simon Sigart und Johann Lebleu aus Tournai,
1570 Hubert Giselin und Rosier Clar aus Valenciennes, 1586 Esaias de Lattre,
Samuel Fontaine und seit 1585 eine Reihe Antwerpener, wie Robert de Neufville
im Roten Haus und sein Gesellschafter Dietrich Tack im Landsberg, Andreas
de Maistre, Albert de Walperge im Goldenen Apfel, Franz Vermere'n, die Gebrüder
Hans und Jakob von Hilten auf dem Hirschgraben, Eberhard von Orley und andere.
Iln Jahre 1575 waren etwa 10 belgische Seidenfärber hier tätig.
Nach einem amtlichen Verzeichnis vom Juli 1592 waren vorhanden.
27 belgische Seidenfärbereien . mit 85 harbkesseln
3 belgische Grobgrünfärbereien ,, 12 ,,
5 deutsche Schwarzfärbereien . „ 13_„_
35 Betriebe mit insgesamt . . • - HO harbkesseln.
Die größten unter ihnen hatten die obrigkeitliche Genehmigung zur Aufstellung
v°n vier bis allerhöchstens neun großen und kleinen harbkesseln. Die meisten
Färbereien befanden sich in den ruhigeren Stadtvierteln zwischen der Alten Mainzer
Hasse und der Weißfrauenkirche, am Hirschgraben, Roßmarkt, Hinter der schlimmen
Mauer und in der Allerheiligengasse.
Ihr Verbrauch an Brennholz war so groß, daß der Rat ihnen 1593 im Interesse
der übrigen Bürgerschaft verbot, innerhalb der nächsten drei Meilen Wegs Holz
Zu kaufen und herzubringen. Hiergegen wurden 19 Seidenfärber mit der Bitte
vorstellig, ihnen zu gestatten, daß sie ihr Holz nicht weiter als höchstens zwei Meilen
v°u der Stadt entfernt zu holen brauchten: denn darüber hinaus sei Mangel an
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