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Dietz, Alexander ; Dietz, Alexander
Frankfurter Handelsgeschichte / von Alexander Dietz (4.1) — Frankfurt am Main, 1925

Page: 19
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nötigen Fleisch versorgen zu können. In den wiederholt erwähnten fünf hessischen
Dörfern, welche 1636 von allen Einwohnern verlassen waren, sammelten sich
erst seit 1638 allmählich wieder einige Allein, wie wenige ihrer waren, sieht
man daraus, daß der jährliche Fruchtertrag ihrer Felder von 1639 — 1648 nur
1472 Malter gegen 9869 der Jahre 1603—1612, mithin ein Siebtel, im Jahrzent
von 1675—1684 mit 4150 Malter noch nicht die Hälfte gewesen ist und erst im
18. Jahrhundert die alte Höhe erreicht hat. So lange blieben die landwirtschaft-
lichen Folgen dieses furchtbaren Krieges bemerkbar. Daß die auf ein Siebtel ge-
fallenen Fruchterträgnisse zur Ernährung der Bevölkerung und der Heere in einem
Maße ausreichten, daß der Preis für das Malter unter den alten Friedenspreis fallen
konnte, ist der beste Beweis für die entsetzliche Entvölkerung Deutschlands. Die
Staatseinkünfte eines so fruchtbaren Landes wie Kurpfalz waren auf ein Sechstel
zurückgegangen und das zur Verwaltung erforderliche Beamtenpersonal im Lande
selbst nicht aufzubringen.
Wieviel glücklicher war dagegen die Finanzlage der Reichsstadt Frankfurt,
deren Einnahmen mit 163300 fl. mehr wie das Doppelte der gesamten kurpfäl-
zischen Staatseinkünfte (76901 fl.) betrugen.
Viele betriebsame Handelsstädte, wie St. Niklausport in Lothringen, welches
1635 von den Schweden in Asche gelegt wurde, und die meisten kleineren Reichs-
städte in Franken und Schwaben, deren Kaufleute seit Jahrhunderten regelmäßige
Besucher der hiesigen Messen gewesen waren, hatten alle Handelsbedeutung ein-
gebüßt. Die Ausstände der hiesigen Handelsleute und Kapitalisten, bei weitem der
größte Bestandteil ihrer Vermögen, waren uneinbringlich verloren. Von vielen mir
bekannten Beispielen seien hier nur folgende erwähnt:
Von den auswärtigen Waren, welche der im Jahre 1641 verstorbene Material-
und Farbwarenhändler Johann Thaelmann bei seinen Vertretern in Hanau, Nürn-
berg, Augsburg, Straßburg, Köln, Bremen, Amsterdam und Fernambuco lagern hatte,
waren alle bis auf die in Straßburg bei den Herren Matthes & Hans Goll befind-
lichen und von seinen Ausständen im Betrage von 76 635 fl. nicht weniger wie
65278 verloren, weitere 4271 fl. zweifelhaft. Gesichert waren nur solche im Be-
trage von 7186 fl., also kaum 10 Prozent. Als der Juwelier Jakob Moors im Jahre
1653 hochbetagt starb, befanden sich in seinem Nachlaß für mehr als 17 000 Gulden
unbezahlte Wechsel des schwedischen Königspaares. Wir hören nicht, daß deren
Tochter, Königin Christine von Schweden, im Jahre 1655 bei ihrem Aufenthalt in
Frankfurt diese alte Schuld getilgt habe. Ohne Einschreiten des kaiserlichen
Reichshofrates und Ernennung von Exekutoren dachte keiner der vielen fürst-
lichen Schuldner, welchen die hiesigen Kapitalisten zur Errettung von drohen-
der Brandschatzung ihre Sparkapitalien geliehen hatten, an Zahlung von Zinsen
oder gar von Kapital. Zu ihrer Ehrenrettung gegenüber verleumderischen Beliaup-
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